Sieben russische Regionen auf der Hannover Messe

Diese Regionen können Sie auf der Hannover Messe kennenlernen. © OWC
Diese Regionen können Sie auf der Hannover Messe kennenlernen. © OWC

Zur diesjährigen Hannover Messe präsentieren sich sieben russische Regionen in verschiedenen Ausstellungsbereichen. Der Wettbewerb um ausländische Investoren ist auch in Russland inzwischen härter geworden – entsprechend aktiv werben die Gouverneure und ihre Mitarbeiter um die Standorte. Lesen Sie im Folgenden, was die einzelnen Regionen zu bieten haben und wo sich deutsches Business bereits angesiedelt hat.

Kaluga
Die Region unweit der russischen Hauptstadt ist bei ausländischen Investoren beliebt. Internationale Ratingagenturen geben Kaluga Bestnoten. Dabei hat die Region außer Wald und einer überschaubaren Menge an Braunkohle, Phosphorit, Ton, Quarzsand und Kalk keine Rohstoffe zu bieten. Der Erfolg des Gebietes ist eng verbunden mit dem seit über zwölf Jahren amtierenden Gouverneur Anatolij Artamonow. Unter anderem aufgrund des immensen Ausbaus der Infrastruktur konnte sich ein Automobilcluster in Kaluga etablieren, aus dem heute über zehn Prozent der in Russland verkauften Pkw stammen. Die drei Schlüsselunternehmen dabei sind Volkswagen, Peugeot-Citroën-Mitsubishi sowie Volvo & Renault Trucks. Inzwischen gibt es vier große Industrieparks und über 20 Kfz-Teile-Zulieferer. Dazu zählen Magna und der chinesische Kfz-Zulieferer im Industriepark Grabzewo, in dem auch VW seine Produktionsstätte hat. Im Zulieferpark von Volkswagen haben sich Visteon Deutschland und Benteler Automotive angesiedelt. Im Industriepark Kaluga Süd produziert Volvo Truck seit Januar 2009, Besema hat Land gepachtet und Maco startete 2010 mit der Produktion von Türen- und Fensterbeschlägen. Der Industriepark Rosva im Norden zählt Peugeot-Citroën-Mitsubishi, General Electric, Fuchs Oil und Umalat zu seinen Residenten. Nestlé Samsung Exectronics, L’Oréal, KT & G sowie AstraZeneca produzieren im Industriepark Worsino, an der Grenze zum Moskauer Gebiet. Die deutschen Landmaschinenhersteller Grimme und Lemken betreiben im Industriepark Detschino ein Service- und Ausbildungszentrum. Hier haben sich auch das deutsch-russische Joint Venture Ekoniva, Wolf System und Big Dutchman angesiedelt. Im November 2011 legte die Continental AG den Grundstein zum Aufbau einer Reifenproduktion. Zudem sind die Pharmaunternehmen Berlin Chemie und Novo Nordisk dabei, Produktionshallen einzurichten.

Kontakt:
Administration Gebiet Kaluga
Anatolij Artamonow, Gouverneur
Tel.: +7 4842 562357
admgub@adm.kaluga.ru
www.admobl.kaluga.ru

Fast zwei Drittel der Oblast Kirow sind mit Wald bedeckt. © www.kirovreg.ru
Fast zwei Drittel der Oblast Kirow sind mit Wald bedeckt. © www.kirovreg.ru

Kirow
Die Region im Föderationskreis Wolga ist geprägt von Land- und Forstwirtschaft. Fast zwei Drittel des Gebietes sind mit Wald bedeckt. Es gibt große Torflagerstätten und Rohstoffe, die in der Bauindustrie eingesetzt werden können. Zudem finden sich Phosphorit und viele Mineralwasserquellen. Trotz dieser Ressourcen zählt Kirow nicht zu den bedeutenden russischen Rohstoff-Regionen. Traditionell ist die Gegend bekannt für klassisches russisches Handwerk: Hier werden Matrjoschkas, Samoware und Trachtenkleidung hergestellt.
Die Verarbeitungstiefe der wichtigsten Rohstoffe ist deutlich ausbaufähig. Deshalb soll für über 1,7 Milliarden Euro ein neues Zellulose-Papier-Werk entstehen. Der schwedische Konzern Ikea fertigt in der Region bereits Möbel. Es gibt 420 größere Agrarunternehmen, 400 private Vollerwerbsbetriebe. Die Regionalverwaltung unterstützt die Modernisierung der Landwirtschaft mit einem Zuschuss von 15 Prozent auf den Kaufpreis von neuer Landtechnik. Wichtigstes Investitionsprojekt in der Landwirtschaft ist eine riesige Käserei, deren ersten Bauabschnitt die federführende Agro-Industriegruppe Doronitschi 2014 abschließen will.
Die Region hat sich zudem die Entwicklung des Pharma- und Biotechnologiesektors auf ihre Fahnen geschrieben. Wobei auch deutsche Unternehmen Anlagen und Ausrüstungen zuliefern. Wichtiger Investor der Region ist der italienische Reifenhersteller Pirelli. Das ebenfalls aus Italien stammende Unternehmen Candy stellt zusammen mit dem russischen Partner OOO Vesta Waschmaschinen her. Der deutsche Metro-Handelskonzern hat 2009 in der Gebietshauptstadt Kirow eine Filiale eröffnet.

Kontakt:
Administration Gebiet Kirow
Nikita Belych, Gouverneur
Tel.: +7 8332 649564
region@ako.kirov.ru
www.ako.kirov.ru

Leningrader Gebiet
Das Gebiet im Nordwesten umschließt St. Petersburg, die zweitgrößte Stadt Russlands, in der auch der Sitz der Gebietsadministration liegt. Einer der wirtschaftlichen Schwerpunkte des Leningrader Gebiets ist – einmal mehr mit dem neuen Hafen Ust-Luga – der Transport. Im Juni 2012 hat die Fährverbindung für Eisenbahnwaggons zwischen Saßnitz und Ust-Luga ihren Betrieb aufgenommen. Von Vyborg startet die Erdgasleitung Nordstream.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Automobilindustrie. Im Leningrader Gebiet haben sich Ford (Pkw) und Caterpillar (Traktoren) niedergelassen, in St. Petersburg produziert seit 2008 General Motors (Pkw). Um die Hersteller herum haben sich eine Reihe von Zulieferern aus Finnland, Korea, den USA und Japan geschart.
Angesiedelt haben sich auch deutsche Hersteller wie Henkel und Hansa-Flex. Dem Baustoffhersteller Knauf gehört Russlands größtes Werk für die Herstellung von Karton aus Altpapier in der Stadt Kommunar. Im Juni 2012 hat die BSH Bosch und Siemens Hausgeräte GmbH eine Fabrik für Waschmaschinen eröffnet. Der Chemiekonzern BASF stellt seit Oktober 2012 in Wsewoloschsk Kunststoffe und Kunstharze für die Automobil- und Bauindustrie her. Im August begann BWF Envirotec aus Offingen mit der Herstellung von Industriefiltermaterial im Industriepark der Stadt Gattschina.

Kontakt:
Administration Gebiet Leningrad
Alexandr Drosdenko, Gouverneur
Tel.: +7 812 2743563
gubernator@lenobl.ru
www.lenobl.ru

Nowosibirsk ist die drittgrößte Stadt Russlands. © Texmon
Nowosibirsk ist die drittgrößte Stadt Russlands. © Texmon

Nowosibirsk
Die Region Nowosibirsk liegt in Sibirien und damit im asiatischen Teil des Landes. Die gleichnamige Hauptstadt ist die drittgrößte Stadt Russlands und verdankt ihre Entwicklung der Anbindung an die Transsibirische Eisenbahn. Wichtigste Wirtschaftszweige der Region sind neben Industrie und Landwirtschaft Handel, Bau und Transport. Im Industriesektor dominieren die Metallurgie, der Maschinenbau, die Energieerzeugung und Nahrungsmittelproduktion. Deutsche Landmaschinenhersteller verkaufen erfolgreich Agrartechnik und sind zum Teil mit Vertriebsniederlassungen vertreten. Einziger produzierender deutscher Industriebetrieb ist die Veka AG, die seit Oktober 2004 Fensterprofile herstellt. 2006 startete Ekoniva, die russische Tochter der deutschen Agrarholding Ekosem-Agrar, im Bezirk Masljanino die Getreideproduktion und Viehzucht. 2007 eröffnete Metro Cash & Carry einen Markt in Nowosibirsk. Die Neco Farm Agriculture GmbH aus Kiel baut einen Milchverarbeitungsbetrieb in der Region auf.
Im vergangenen Jahr wurden der PLP Logistikpark und ein neues Messezentrum in Betrieb genommen.
Im Wissenschaftsstädtchen Akademgorodok ist einer der zwölf russischen Technoparks eingerichtet. Etwa einhundert Start-ups und 30 große Technologieunternehmen haben sich inzwischen in Nowosibirsk angesiedelt.

Kontakt:
Administration Gebiet Nowosibirsk
Wasilij Jurtschenko, Gouverneur
Tel.: +7 383 2230862
www.nso.ru

Informationszentrum Nowosibirsk in
Frankfurt/Main
Anatolij Newerow, Tel.: +49 69 74220882
novosibregion@gmail.com

Swerdlowsk
Die Ural-Region Swerdlowsk gehört zu den wichtigsten Industriestandorten Russlands. Allein im Gebiet um die Hauptstadt Jekaterinburg befinden sich über 180 Maschinenbaubetriebe. Besonders stark vertreten sind die Metallurgie und Metallverarbeitung, die Aluminiumindustrie, Chemie und Petrochemie sowie die Zellstoff-, Holz- und Papierindustrie. In Werchnjaja Salda ist mit VSMPO-Avisma der größte Titanproduzent der Welt beheimatet. In unmittelbarer Nachbarschaft entsteht die Sonderwirtschaftszone Titan Valley.
Die deutsche Wirtschaft ist mit über 70 Repräsentanzen vertreten. Zu ihnen gehören Audi, die Commerzbank, die Deutsche Bank, E.ON Russia Power, Ferrostaal, Herrenknecht, MAN Diesel, Metro, Osram, RWE, die Scholze-Gruppe, Viessmann und andere. BASF und Siemens setzen mit der Regionalregierung Projekte zur Steigerung der Energieeffizienz um. Siemens stellt in einem Joint Venture mit dem russischen Unternehmen Sinara seinen Regionalzug Desiro Rus in Jekaterinburg her. Dyckerhoff ist mit 73 Prozent an einem Zementwerk am Standort Suchoi Log beteiligt.

Kontakt:
Administration Gebiet Swerdlowsk
Jewgenij Kujwaschew, Gouverneur
Tel.: +7 343 370 54 88
so@midural.ru
www.midural.ru

Namhafte Kfz-Zulieferer wie ZF fertigen in Tatarstan. © Kamaz
Namhafte Kfz-Zulieferer wie ZF fertigen in Tatarstan. © Kamaz

Tatarstan
Die Teilrepublik im Föderationskreis führt bei deutschen Unternehmen aktuell das Beliebtheitsranking der russischen Regionen an, das die AHK Russland aller zwei Jahre erstellt. Gründe dafür sind die lange Industrietradition, die natürlichen Ressourcen sowie die intelligenten Investitionsanreize in Schlüsselbranchen.
Traditionell stark ausgeprägte Branchen sind die Automobil-, die Luftfahrt- und die chemische Industrie. In der Hauptstadt Kasan und weiter östlich, in Nischnekamsk, befinden sich zwei der größten Chemiekomplexe der Russischen Föderation: Kasanorgsintes und Nischnekamskneftechim. Die Petrochemie-Fabrik Taneco verarbeitet einen Großteil des vom Erdölkonzern Tatneft in Tatarstan geförderten Öls.
In Nabereshnyje Tschelny hat der russische Lkw-Hersteller Kamaz sein Stammwerk. Vier Fünftel aller in Russland gefertigten Lastkraftwagen kommen aus der Lkw-Schmiede am Fluss Kama. Daimler hat im April 2011 eine Lkw-Montagehalle eröffnet und will zusätzlich in einem Joint Venture mit Kamaz Achsen bauen. Es sind bereits namhafte Kfz-Zulieferer vor Ort: der Kfz-Elektronik-Hersteller Leoni, der Dieselmotorenbauer Cummins, ZF Friedrichshafen und Knorr Bremse. Der Automobilzulieferer Kiekert aus Nordrhein-Westfalen hat im März 2013 angekündigt, unweit von Nabereshnyje Tschelny eine eigene Produktionsstätte für Türschließsysteme errichten zu wollen. Insgesamt sind über 50 deutsche Unternehmen in Tatarstan vertreten – darunter auch Siemens, Linde und die Metro-Gruppe.

Kontakt:
Administration Republik Tatarstan
Rustam Minnichanow, Präsident
Tel.: +7 843 5678901
aprt@kremlin.kazan.ru
www.tatar.ru

Tomsk
Tomsk in Sibirien ist reich an natürlichen Ressourcen wie Erdöl, Erdgas, Torf, seltenen Metallen, Eisenerz und Baumaterialien. In dem üppig bewaldeten Gebiet werden auch Platin, Gold und Silber abgebaut.
Die Firma Dieffenbacher aus Baden-Württemberg hat sich am Aufbau einer Holzplattenfabrik beteiligt. Deutsche Unternehmen können auch beim Ausbau der Infrastruktur, bei der Ausstattung von Krankenhäusern und beim Bau von Kraftwerken punkten. Unternehmen wie Siemens und Philips sind bereits vor Ort tätig und liefern unter anderem Medizintechnik. Bereits 2010 eröffnete die Metro-Gruppe einen Cash&Carry-Markt.
Tomsk ist mit sechs Universitäten und einem Wissenschaftsstädtchen auch ein Forschungs- und Entwicklungsstandort. 2007 startete eine Sonderwirtschaftszone, in der Projekte in den Bereichen IT- und Nano-Technologie sowie Biotechnologie, Medizin und Biopharmazeutik gefördert werden.

Kontakt:
Administration Gebiet Tomsk
Sergej Schwatschkin, Gouverneur
Tel.: +7 3822 510813
ATO@tomsk.gov.ru
www.tomsk.gov.ru

Dieser Beitrag ist erschienen in Ost-West-Contact 04/2013.