Deutsch-russischer Preis für Gräfin Lambsdorff

Gräfin Lambsdorff bei der Preisverleihung in Berlin © DRF
Gräfin Lambsdorff bei der Preisverleihung © DRF

BERLIN. Alexandra Gräfin Lambsdorff wurde Mitte März in Berlin mit dem Dr. Friedrich-Joseph Haass-Preis ausgezeichnet. Der Preis wird seit 1994 jährlich vom Deutsch-Russischen Forum e.V. an Persönlichkeiten verliehen, die sich um die deutsch-russischen Beziehungen verdient gemacht haben. Gräfin Lambsdorff gehörte 1993 in Bonn zu den Mitbegründern des Deutsch-Russischen Forums. Sie war viele Jahre Mitglied des Vorstandes und Schatzmeisterin des Verbandes sowie Mitglied im Lenkungsausschuss des Petersburger Dialogs.

Die Auszeichnung sei eine Anerkennung des Einsatzes von Gräfin Lambsdorff für ihr Wirken in der Verständigung mit Russland, erklärte der russische Botschafter Wladimir Grinin. Er zählte die Preisträgerin zu den Eltern des Deutsch-Russischen Forums, die vor 20 Jahren mit der Gründung des Forums Kreativität und Weitblick bewiesen hätten. Das Deutsch-Russische Forum habe in den 20 Jahren seines Bestehens dazu beigetragen, dass die deutsch-russischen Beziehungen heute ein hohes Niveau erreicht haben. Es sei ein „nachhaltiger Begleiter, Träger und Moderator im deutsch-russischen Austausch“.

Grinin verwies in seinem Grußwort darauf, dass Deutschland in der außenpolitischen Konzeption, die jüngst von Russland verabschiedet wurde, auf dem ersten Platz der Länder rangiere, mit denen Russland die Partnerschaft vertiefen wolle. Er lobte vor allem die Fähigkeit des Forums zum Zuhören. Das Fingerspitzengefühl, mit dem der Verband in das Konzept der Zusammenarbeit der Zivilgesellschaften verfolge, könne Vorbild sein auch für die Politik. Andreas Meyer-Landrut, Staatssekretär und Ehrenmitglied des Deutsch-Russischen Forums, stellte fest, dass derzeit Sand im Getriebe der Beziehungen zwischen Deutschland und Russland sei. Insofern bedarf es Verbindungen aller Art, wie sie das Deutsch-Russische Forum biete.

Die Festansprache im Hotel Adlon hielt die ehemalige Oberbürgermeisterin von Frankfurt am Main, Petra Roth. Die Politikerin ließ die Stationen der Beziehungen der Bankenmetropole zu verschiedenen Städten Revue passieren und hob vor allem die sehr intensiven Beziehungen zu Moskau hervor. Heute bestünden zwischen Russland und Deutschland erhebliche Differenzen über Menschenrechtsfragen. Dies sei aber auch eine gute Nachricht, so Roth, da Differenzen zwischen politischen Akteuren normal seien. „Politik ist keine Konsensveranstaltung“, sagte die Bürgermeisterin a.D. Es komme darauf an, wie sie ausgetragen werden. Dass dies heute in Gesprächen erfolge, sei ein Beweis dafür, dass Deutschland und Russland weitergekommen sind.

Die Preisträgerin sprach in der Dankrede über die Verbindung ihrer Familie mit Russland und die Anfänge der Gründung des Forums. „Ich hatte mich bis Anfang der 90er Jahre nicht mit Russland beschäftigt“, sagte sie, aber Umbruchzeiten brächten neue Menschen nach oben. Besonders stolz sei sie auf die Young Leader Seminare, die vom Deutsch-Russischen Forum in diesem Jahr nun schon zum 38. Mal veranstaltet werden. Gräfin Lambsdorff kritisierte die Korruption in Russland. Zur Bekämpfung von Korruption brauche man eine freie Presse und eine unabhängige Jurisdiktion. Über die im Herbst vom Bundestag verabschiedete Resolution zum deutsch-russischen Verhältnis habe sie sich gefreut, da dort Tatsachen festgehalten würden. Nun komme es darauf an, die notwendigen Schlüsse daraus zu ziehen.

Das Deutsch-Russische Forum feiert in diesem Jahr sein 20-jähriges Jubiläum. Die Kernkompetenzen des Verbandes, dem 380 Mitglieder angehören, liegen in der Förderung von Nachwuchs- und Führungskräften, der Zusammenarbeit im kommunalen Bereich und in der Bereitstellung von Dienstleistungen. Zur Festveranstaltung im Mai haben die Außenminister beider Länder, Guido Westerwelle und Sergej Lawrow, ihr Kommen zugesagt. jf

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