Kirovsky Zavod übernimmt deutschen Bushersteller

Die Göppel Bus GmbH ist im Thüringischen zuhause © Göppel Bus GmbH
Göppel Bus ist im Thüringischen zuhause © Göppel Bus GmbH

BERLIN/NOBITZ. Der Fahrzeugbauer Kirovsky Zavod aus St. Petersburg hat den deutschen Linienbushersteller Göppel Bus GmbH mit Sitz in Nobitz-Ehrenhain übernommen. Im Rahmen eines Insolvenzverfahrens waren die Thüringer auf der Suche nach einem neuen Hauptgesellschafter. Anfang März informierte die russische Holding über die Transaktion, allerdings ohne Details wie den Kaufpreis zu nennen. Für die Kunden und Geschäftspartner der Göppel Bus GmbH soll sich durch die Übernahme nichts ändern, heißt es in einer Pressemitteilung des neuen Eigentümers. Kirovsky Zavod habe langfristige Ambitionen. Die Stadtlinienbusse „go4city“ würden auch künftig im thüringischen Nobitz gefertigt, der Standort Augsburg bleibe ebenfalls erhalten. Die Belegschaft, die dem Unternehmen während der Insolvenz die Treue gehalten hat, wird weiterhin beschäftigt.

Göppel fertigt neben Bussen auch Anhänger für den Personennahverkehr. Das Unternehmen ist der Zusammenschluss aus der ehemaligen Neoplan Omnibus GmbH und des Augsburger Unternehmens Markus Göppel GmbH & Co. KG. Vor der Insolvenz erzielte der Betrieb durch die Herstellung von rund 100 Bussen jährlich einen Umsatz von 15 Millionen Euro. Ende 2011/Anfang 2012 war Göppel in Schieflage geraten, weil ein Großauftrag und mehrere kleinere Bestellungen storniert wurden.

Für Kirovsky Zavod ist es nicht das erste Engagement in Deutschland. 2010 kaufte die russische Holding die A. Monforts Werkzeugmaschinen GmbH & Co. aus Mönchengladbach. Inzwischen ist die Anteilsübernahme komplett abgeschlossen. Die Präzisionsmaschinen aus Nordrhein-Westfalen tragen nun dazu bei, die Produktion in St. Petersburg zu verjüngen (vergleiche Ost-West-Contact 04/2012). Das Traditionsunternehmen, das man in Deutschland unter dem Namen Kirow-Werke kennt, stellt Traktoren her und ist auch in den Bereichen Maschinenbau, Metallurgie, Energietechnik aktiv. Auf dem Werksgelände entstehen in über 30 Tochterunternehmen fast alle Traktorenteile in Eigenregie. Nur die Motoren, Elektronik und die Kunststoffkomponenten kommen von Zulieferern.

Insgesamt erwirtschaftete die Holding 2012 mit 6.500 Mitarbeitern einen Umsatz von 550 Millionen Euro. Im Vorstand sitzt mit Albrecht Bochow auch ein deutscher Manager.
Aktivitäten russischer Unternehmen in Deutschland spielen sich nicht immer so öffentlich ab wie im Falle der Kirow-Werke. Die meisten russischen Investoren treten nicht in Erscheinung.

Eine im September 2011 erschienene Untersuchung des German Center for Market Entry hält fest, dass die russischen Direktinvestitionen im Ausland von etwa 50 bis 60 großen Unternehmen aus der Energie-, Rohstoff- und Metallbranche dominiert werden. Damals fanden die Analysten in Deutschland etwa 1.600 in das Handelsregister eingetragene Firmen, die zu über 25 Prozent in Besitz russischer Personen sind. Davon seien geschätzt der überwiegende Teil kleine und mittelständische Unternehmen. Das Spektrum reicht vom Energiekonzern Gazprom bis zum Gemischtwarenladen in Berlin-Charlottenburg. Die jüngsten Zahlen der Bundesbank belegen, dass das Engagement aus Russland im vergangenen Jahr deutlich zurückgegangen ist. Gab es 2011 noch russische Direktinvestitionen in Höhe von 653 Millionen Euro in Deutschland, waren es 2012 nur noch 294 Millionen Euro. awa