Grüne Woche: Podium zur Agrarfinanzierung in der GUS

Russischer Stand auf der Grünen Woche © Messe Berlin
Russischer Stand auf der Grünen Woche © Messe Berlin

BERLIN. Der Zugang zu Finanzierungsquellen im Agrarsektor Russlands, der Ukraine und Kasachstans stand am 18. Januar im Mittelpunkt eines Fachpodiums auf dem Global Forum for Food and Agriculture (GFFA) im Rahmen der Internationalen Grünen Woche 2013, das vom Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft gemeinsam mit dem Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Mittel- und Osteuropa (IAMO) organisiert wurde. Dabei ging es vor allem um Finanzierungs- und staatliche Fördermöglichkeiten für die verschiedenen Betriebsformen. Der Agrarsektor in der GUS zeichnet sich nämlich durch die Vielfalt der Betriebsstrukturen aus, angefangen von subsistenzorientierten Hauswirtschaften über marktorientierte bäuerliche Landwirtschaftsbetriebe bis zu großflächigen und teilweise vertikal integrierten Agrarholdings. Die Bereitstellung vergünstigter Bankkredite für landwirtschaftliche Betriebe ist dabei ein wesentlicher Baustein der Agrarförderung in den drei Ländern. Allerdings partizipieren kleine Familienbetriebe bisher wenig an formalen Kreditmärkten, während sich große Agroholdings teilweise bereits über den internationalen Finanzmarkt finanzieren können.

Dabei ist die Förderung der Landwirtschaft in der Region nicht nur für die Nahrungsmittelversorgung der Länder selbst wichtig. Robert Kloos, Staatssekretär im Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, betonte die Bedeutung Russlands, Kasachstans und der Ukraine für die Welternährung. Bereits heute gehören die drei Länder zu den bedeutendsten Getreideexporteuren der Welt und kommen zusammen auf rund ein Fünftel des globalen Getreideexports. Moderne Anbauverfahren aus Deutschland können den Ländern helfen, diese Position auszubauen. Die drei GUS-Staaten seien „Schlüsselländer der bilateralen Zusammenarbeit“, so Kloos. 2013 würden zehn Millionen Euro für bilaterale Kooperationsprojekte in diesen Staaten bereitgestellt. So gibt es in der Ukraine und inzwischen auch in Kasachstan Deutsche Agrarzentren zur Schulung von Fachkräften. Gemeinsam mit der KfW ist zudem ein Kreditprogramm für kleine landwirtschaftliche Betriebe in Russland geplant.

Programme der drei Länder
Der stellvertretende russische Agrarminister Aleksander Petrikow stellte das auf acht Jahre angelegte Programm zur Förderung der russischen Landwirtschaft vor, das unter anderem die Reduzierung der Kreditkosten für landwirtschaftliche Betriebe durch Zinssubventionen und die Unterstützung verarbeitender Unternehmen als Abnehmer vorsieht. Sein ukrainischer Kollege Oleksandr Sen erläuterte das Präsidentenprogramm zur Agrarförderung. Zu den wichtigsten Maßnahmen gehören die Schaffung der Voraussetzungen für den Kauf und Verkauf von Agrarland – „eine heikle Frage für die Ukraine“, so der Minister – und eine „schonende Fiskalpolitik“. So werden Agrarbetriebe in der Ukraine steuerlich begünstigt. Wichtig seien allerdings auch marktwirtschaftliche Investitionen durch Kredite, die dann durch den Verkauf der Erzeugnisse getilgt werden sollten. Die kasachische Regierung plant durch ihre staatlichen Fördermaßnahmen – darunter Subventionen und Kreditgarantien zur Modernisierung des Sektors – eine Steigerung der Agrarproduktion bis 2020 um das anderthalbfache, sagte die stellvertretende Agrarministerin Gulmira Isajewa.

Unterstützung bekommt der Agrarsektor der GUS auch durch multilaterale Geber wie die Weltbank-Tochter International Finance Corporation (IFC), die dabei marktwirtschaftliche Finanzierungsansätze verfolgt. So fördert die IFC Verarbeitungsunternehmen wie Danone in der Ukraine als Abnehmer für Klein- und Mittelbetriebe und versucht, Anbieter von Saatgut und Landtechnik, Banken und landwirtschaftliche Betriebe in Finanzierungsmodelle einzubinden, die eine Teilung des Risikos vorsehen, berichtete Heinz Strubenhoff, Agribusiness Program Manager der IFC. Entsprechende Projekte gebe es in der Ukraine unter anderem in Kooperation mit Bayer CropScience und der Raiffeisenbank Aval. „Die Banken nehmen gerne die Hersteller mit ins Boot,“ sagte auch Dirk Stratmann, Ukraine-Sprecher der Arbeitsgruppe Agrarwirtschaft im Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft und Division Sales Manager beim Landtechnikhersteller John Deere International GmbH. Einig waren sich alle Beteiligten, dass insbesondere die Finanzierungsmöglichkeiten für Kleinbetriebe verbessert werden müssten. Es gibt keine Kreditklemme für größere Betriebe, sagt Stratmann. Aber: „Je kleiner der Betrieb, desto schwieriger die Finanzierung“. ch