Grüne Woche: Wetter verhagelt Russlands Agrarproduktion

Russland stellt in Berlin mehr als Wodka und Kaviar vor © Messe Berlin
Russland stellt in Berlin mehr als Wodka und Kaviar vor © Messe Berlin

MOSKAU. Russlands Agrarproduktion hat im vergangenen Jahr unter ungünstigen klimatischen Bedingungen gelitten. Kurz vor Beginn der internationalen Landwirtschaftsmesse Grüne Woche in Berlin teilte das russische Agrarministerium Mitte Januar mit, dass sich die Getreideernte in der zurückliegenden Saison auf 70,7 Millionen Tonnen beläuft. Das ist ein Viertel weniger als im Rekordjahr 2011, in dem 94,2 Millionen Tonnen eingefahren worden waren. Insgesamt ist der Umfang der russischen Agrarproduktion im Geldwert um 5,35 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen. Die Produktion im Bereich Pflanzenanbau verringerte sich um 15 Prozent, die Tierproduktion nahm allerdings um 4,3 Prozent zu. So wurde mit 11,7 Millionen Tonnen nach vorläufigen Schätzungen 6,8 Prozent mehr Schlachtvieh und -geflügel herangezüchtet. Die Milchproduktion stieg um ein Prozent auf 32 Millionen Tonnen. Die Eierproduktion nahm um 2,4 Prozent auf 42,1 Milliarden Stück zu.

2012 profitierten die russischen Agrarbetriebe noch einmal von einem Hilfsprogramm der Regierung, durch das sie unter anderem Diesel und Benzin für Landmaschinen zu ermäßigten Preisen kaufen konnten. Gemäß der Zahlen des Landwirtschaftsministeriums haben die Landwirte dadurch ihre betrieblichen Ausgaben im Jahr 2012 um umgerechnet 552 Millionen Euro reduziert. Da diese Maßnahmen nicht den Spielregeln der Welthandelsorganisation WTO entsprechen, der Russland im August 2012 beigetreten ist, stellt Moskau die Unterstützung nun auf eine andere Basis. Die Kraftstoffverbilligung und auch die bisherigen Subventionen für die Neuanschaffung von Landtechnik, den Erwerb von Mineraldünger sowie die Verbilligung kurzfristiger Agrarkredite sollen künftig durch Direktzahlungen abgegolten werden, deren Höhe sich an der Bodenqualität pro Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche orientiert.

Auf der Grünen Woche, die vom 18. bis zum 27. Januar auf dem ICC-Messegelände stattfindet, präsentiert sich Russland in diesem Jahr wieder mit einem 6.000 Quadratmeter großen Stand in einer eigenen Halle (Halle 2.2). Mehr als 20 Regionen werden vertreten sein, darunter Moskau, Omsk, Samara, Saratow, die Republik Tatarstan, Rostow, Wologda, Krasnodar, Tambow, Kirow, Kaliningrad, Lipezk, Iwanowo, die Republik Kabardino-Balkarien und die Republik Mordwinien. Das Thema des russischen Auftritts lautet „Russische Festtage in Berlin“. In diesem Rahmen wird ein traditioneller russischer „Jarmarka“ (Wochenmarkt) auf dem Messegelände veranstaltet.

In der russischen Halle gibt es immer prominenten Besuch © Messe Berlin
In der russischen Halle gibt es immer prominenten Besuch © Messe Berlin

Zu Investitionsprojekten, die in Berlin vorgestellt werden, waren zu Redaktionsschluss noch keine Informationen erhältlich. Im vergangenen Jahr präsentierte Russland nach eigenen Angaben insgesamt 223 landwirtschaftliche Projekte mit einem Volumen von 6,4 Milliarden Euro.

Das B2B-Veranstaltungsprogramm bietet russischen und deutschen Unternehmen die Möglichkeit, über das Investitions- und Wirtschaftspotenzial sowie über Kooperationen in der Landwirtschaft zu diskutieren. Im Programm stehen zahlreiche Seminare, Meetings und Präsentationen, unter anderem eine Podiumsdiskussion zum Thema „Von Mikrokredit zu Shareholder Value: Zugang zu Finanzierungsquellen im Agrarsektor in Osteuropa und Zentralasien“. Sie wird vom Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft und dem Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Mittel- und Osteuropa veranstaltet und findet am Freitag, den 18. Januar, von 12.30 bis 14.30 Uhr im Saal sieben des ICC statt. awa