Deutsche Firmen vertrauen ihrer Wettbewerbsfähigkeit in China

Ein Schlüssel für den Erfolg deutscher Unternehmen liegt auch in China © OWC
Ein Schlüssel für den Erfolg deutscher Unternehmen liegt auch in China © OWC

Trotz schwächer werdenden Wachstums und rückläufiger Exportnachfrage gehen deutsche Unternehmen in China mit positiven Erwartungen in das neue Jahr. Das ergab eine Umfrage, die das Beratungsunternehmen Fiducia Management Consultants gemeinsam mit der Deutsch-Chinesischen Wirtschaftsvereinigung durchgeführt hat. Niedrige Kosten für Beschaffung und Produktion sind für die meisten Unternehmen zwar wichtig, mittlerweile sehen aber deutsche Unternehmen als Motiv für ihr Engagement in China das enorme Absatzpotenzial an erster Stelle.

„Viele unserer Klienten haben zusätzlich zur Exportproduktion in den vergangenen fünf Jahren auch den lokalen Markt für den Absatz ihrer Produkte entdeckt“, erklärt Fiducia-Geschäftsführer Stefan Kracht. „Häufig helfen wir, das Marktpotenzial zu bewerten, Strategien zu entwickeln und wir unterstützen die Firmen bei deren Umsetzung.” Neben der wachsenden chinesischen Konkurrenz bewerten die Unternehmen die Steigerung von Arbeitskosten, den Rückgang von Exportnachfrage und eine weitere Aufwertung des Yuans als die drei größten Herausforderungen für die Entwicklung Chinas bis 2015.

Schwächeres Wachstum erwartet
Mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen (55 Prozent) erwarten für 2013 ein BIP-Wachstum von nur noch rund sechs Prozent oder weniger. Weitere 36 Prozent hoffen auf ein BIP-Wachstum von rund sieben bis acht Prozent und nur eine kleine Minderheit der befragten Unternehmen (acht Prozent) geht weiter von hohen Wachstumsraten von mehr als acht Prozent aus.
Dennoch erwartet die Hälfte der Unternehmen für 2013 ein Umsatzplus von elf Prozent oder mehr. Am optimistischsten sind die Beratungsunternehmen und Dienstleister. Über 60 Prozent planen mit einem Umsatzplus von elf Prozent oder mehr. Überdurchschnittlich hohes Umsatzwachstum wird außerdem im Maschinen- und Anlagenbau sowie bei elektronischen Produkten erwartet. Thaddäus Müller, der die Executive-Search-Abteilung bei Fiducia leitet, spürt diesen Trend: „Dies spiegelt sich deutlich in der erhöhten Nachfrage nach gut ausgebildeten chinesischen Vertriebsmitarbeitern wider.”

Bedeutung Chinas nimmt zu
Der Absatz in China leistet für immer mehr Unternehmen aus Deutschland einen signifikanten Beitrag zum Gesamtumsatz: 42 Prozent aller befragten Unternehmen gaben an, dass ihr Umsatz in China etwa zehn Prozent des Weltumsatzes ausmacht, und im Durchschnitt beträgt der Anteil des Chinaumsatzes am Weltumsatz sogar 19 Prozent. Die überwiegende Mehrheit der deutschen Unternehmen in China operiert profitabel und etwa 80 Prozent planen im Zeitraum 2013 bis 2015 einen positiven EBIT.

Erfolg durch Produktanpassung
Neben dem Ausbau und der Optimierung der Verkaufs- und Distributionsstrategie sehen deutsche Unternehmen laut Umfrage in der Innovation von Produkten und Dienstleistungen die wichtigste Maßnahme zur Erreichung ihrer Umsatzziele. „Die Mehrheit der deutschen Firmen passt mittlerweile ihr Produktprogramm den lokalen Bedingungen an und ein ›Good-enough‹-Produkt auf geringerem technischen Niveau erfreut sich häufig starker Nachfrage”, stellt Stefan Kracht fest. 62 Prozent der Umfrageteilnehmer geben an, dass sie nicht einfach dieselben Produkte wie auf dem deutschen Heimatmarkt anbieten.

Lohnkosten weiter Kostentreiber
Für 2011 verzeichneten 71 Prozent der Umfrageteilnehmer eine Steigerung der Arbeitskosten von elf Prozent oder mehr. Hohe Kostensteigerungen konstatieren deutsche Unternehmen ebenfalls für die Bereiche Logistik und Landnutzungsrechte. Mehr als die Hälfte der deutschen Unternehmen (55 Prozent) kann die Kostensteigerung durch eine entsprechend höhere Produktivität ausgleichen beziehungsweise sogar mehr als wettmachen. Für 45 Prozent der Umfrageteilnehmer hingegen steigen die Kosten stärker als die Produktivität.

Wichtigste Standorte deutscher Firmen in China © OWC
Wichtigste Standorte deutscher Firmen in China © OWC

Zentralchina gewinnt Bedeutung
Mit 68 Prozent der Umfrageteilnehmer befinden sich mit Abstand die meisten deutschen Unternehmen im Jangtsedelta rund um Shanghai. Weitere wichtige Regionen für deutsche Investitionen sind das Perlflussdelta um Hongkong/Kanton (16 Prozent) und die Bohai-Region um Beijing/Tianjin (zehn Prozent). Dieselben Regionen wurden auch als Standorte für weitere Investitionen genannt. Der stärkste relative Zuwachs bei neuen Investitionsvorhaben kann jedoch für die Provinzen in Zentral- und Westchina konstatiert werden. 32 Prozent der Unternehmen würden dort zusätzliche Niederlassungen beziehungsweise Betriebsstätten errichten. Geschäftführer Kracht kennt das aus dem Beratungsalltag: „Mit der Entwicklung der zentral- und westchinesischen Regionen als Absatzmärkte folgen deutsche Unternehmen jetzt zunehmend der ›Go-West-Politik‹, die die chinesische Regierung schon vor Jahren initiiert hat.”

Regionen wie Chongqing im Landesinneren werden hinsichtlich der Verfügbarkeit von Personal besonders positiv bewertet. Das Jangtsedelta und die Bohai-Region sind besonders dann interessant, wenn die Infrastruktur von relativ hoher Bedeutung für die Standortwahl ist. Laut Umfrage sieht bislang nur eine Minderheit von zwölf Prozent der befragten Unternehmen in der teilweisen Verlagerung von Produktion in Chinas Nachbarländer eine geeignete Option, dem Kostendruck in China zu entgehen.

Fazit
Trotz – und zugleich aufgrund – des Wandels bleibt China für deutsche Unternehmen Kernelement der globalen Wachstumsstrategie. Die Umfrage zeigt, dass deutsche Unternehmen von einer leichten Abkühlung der chinesischen Wachstumsdynamik ausgehen. Gleichzeitig wird der chinesische Markt als so attraktiv eingeschätzt, dass eine weitere Expansion der Geschäftstätigkeiten geplant ist. Da das Wachstum in anderen Weltregionen schwächer als das chinesische ist, wird China trotz der erwarteten Herausforderungen in den Internationalisierungsstrategien deutscher Unternehmen immer wichtiger. Von Stefan Kracht, Fiducia Management Consultants

Dieser Beitrag ist erschienen in ChinaContact 12/2012.