Wirtschaftsentwicklung Kasachstan

Die Entwicklung der kasachischen Wirtschaft verlor zuletzt etwas an Dynamik. Während der Konsum zum Wachstumstreiber wird, bleiben die Exporte und auch die Investitionen 2012 hinter den Erwartungen zurück. Die anhaltend hohe Nachfrage für die Hauptexportgüter Öl und Metalle stützt die kasachische Wirtschaft jedoch weiterhin. Für 2013 wird mit einem Wirtschaftswachstum von bis zu sechs Prozent gerechnet. Aufgrund der nachlassenden Nachfrage aus Russland und anderen Wirtschaftsräumen wächst die kasachische Wirtschaft derzeit langsamer als noch 2010 und 2011, als der BIP-Anstieg durchschnittlich bei sieben Prozent lag. Laut Schätzungen der Analysten von UniCredit Research liegt das Wirtschaftswachstum 2012 bei fünf Prozent, der Internationale Währungsfonds (IWF) geht etwas optimistischer von 5,4 Prozent aus, Raiffeisen Research rechnet gar mit sechs Prozent Wachstum.

Der private Konsum (2012: +7,5 Prozent) entwickelt sich zur tragenden Säule der Wirtschaft – angetrieben durch hohe Kredit- und Einkommenszuwächse. Lag der monatliche Durchschnittslohn 2011 noch bei 441 Euro, verdienen die Kasachen Schätzungen zufolge in diesem Jahr im Schnitt 540 Euro pro Monat. Im ersten Halbjahr 2012 ist das Realeinkommen pro Kopf im Vorjahresvergleich um 9,2 Prozent angestiegen. Die Reallöhne waren im Juni 2012 um 13,3 Prozent höher als noch 12 Monate zuvor – aufgrund der Löhne im öffentlichen Sektor, aber auch in der Industrie, wo die Angestellten rund elf Prozent mehr verdienten als noch 2011. 8,5 Millionen Kasachen waren im Juni 2012 in Arbeit, 3,9 Prozent mehr als im Vorjahr.
Die Finanzlage der Unternehmen hat sich aber zuletzt verschlechtert. Der Vorsteuergewinn der großen und mittleren Unternehmen von Mai bis Juli dieses Jahres war um neun Prozent schlechter als in der Vergleichsperiode 2011. Die Gewinne im Bergbausektor sanken um sechs Prozent, in der verarbeitenden Industrie gar um 30 Prozent. Die Bauwirtschaft steht etwas besser da als 2011, aber die Gewinne in der Handels- und der Logistikbranche haben zuletzt auch abgenommen.

Statistik 2011
Bevölkerung: 16,1 Mio
Fläche: 2,7 Mio km²
Nominales BIP: 133,9 Mrd. Euro
BIP pro Kopf: 8.072 Euro
BIP-Wachstum: 7,5 %
BIP-Prognose 2012: 5,9 %
Quelle: IWF

Exporte gehen zurück
Die Industrie wächst deutlich langsamer: Im ersten Halbjahr legte die Industrieproduktion nur um 1,3 Prozent zu. Für das Gesamtjahr 2012 rechnet Raiffeisen Research mit nur zwei Prozent Wachstum.
Auch die Exporte entwickelten sich im Jahresverlauf schwächer als noch 2011. Verzeichnete Kasachstan bei den Ausfuhren von Januar bis März 2012 im Vorjahresvergleich noch ein Plus von fast 31 Prozent, fielen die Exporte im zweiten Quartal diese Jahres um 2,1 Prozent. Die Öl-Ausfuhren gingen im zweiten Quartal um neun Prozent auf 14,9 Milliarden US-Dollar zurück. Das hat den Handelsüberschuss Kasachstans im zweiten Quartal 2012 auf 13,4 Milliarden US-Dollar geschmälert (2011: 14,7 Milliarden US-Dollar).

Wirtschaftsstruktur Kasachstan 2011, Quelle:  Statistikamt der RK
Wirtschaftsstruktur Kasachstan 2011, Quelle: Statistikamt der RK

Investitionen verhalten
Die Investitionsentwicklung bleibt hinter den Erwartungen zurück. Während die Nicht-Bergbau-Investitionen ganz gut vorankommen, stiegen insgesamt die Investitionsausgaben zu konstanten Preisen von Januar bis Juli 2012 nur marginal um 2,7 Prozent (2011: 2,4 Prozent). Die Investitionen ins verarbeitende Gewerbe (Anteil an den gesamten Investitionen: elf Prozent) lagen um 25,4 Prozent über dem Vorjahr, in der Energiewirtschaft (Anteil: sieben Prozent) wurden 8,6 Prozent mehr investiert als noch 2011 und im Transportwesen (Anteil: 18 Prozent) waren es 6,8 Prozent. In die Landwirtschaft (Anteil: 18 Prozent) flossen im ersten Halbjahr gar 47,3 Prozent mehr Investitionen als in der Vorjahresperiode. Allerdings gingen die Investitionen in den Bergbausektor, dessen Anteil an den Gesamtinvestitionen bei über einem Drittel liegt, um weitere zehn Prozent zurück. Bereits im Vorjahr verzeichnete die Branche ein Investitionsminus von zehn Prozent.

Ölpreis stützt die Wirtschaft
Die hohen Ölpreise und die verstärkte Investitionstätigkeit des Staates dürften Kasachstan jedoch vor einer noch stärkeren Abkühlung der Wirtschaft bewahren. Das hohe Ölpreisniveau stellt eine Stütze der Wirtschaft dar, macht der Energiesektor doch nahezu 30 Prozent des BIP aus. Für 2013 rechnet die Experten von UniCredit Research mit einem BIP-Wachstum von 5,2 Prozent, Raiffeisen Research prognostiziert gar einen Anstieg um sechs Prozent.

Wirtschaftliche Entwicklung, Quelle: IWF
Wirtschaftliche Entwicklung, Quelle: IWF

Inflation unter der Zielmarke
Die Experten gehen davon aus, dass sich die Inflation 2012 auf einem niedrigem Niveau stabilisiert, was der Zentralbank eine lockere Geldpolitik ermöglicht. Wahrscheinlich wird die Inflation mit geschätzten 5,2 Prozent deutlich unter dem Zielbereich der Nationalbank für 2012 (+sieben Prozent) liegen, allerdings in 2013 zunehmen (+7,1 Prozent) und in der Folge in im zweiten Quartal 2013 ein Ende der geldpolitischen Lockerungsphase einläuten. Der Budgetüberschuss (4,5 Prozent des BIP) wird infolge der steigenden Staatsausgaben im Jahr 2013 auf geschätzte 2,5 Prozent des BIP schrumpfen.
Die politische Situation in Kasachstan bleibt nach der Wiederwahl von Präsident Nasarbajew für eine Amtszeit von noch einmal fünf Jahren im April 2011 einigermaßen stabil. Die Partei des Präsidenten hat nahezu die uneingeschränkte Kontrolle über beide Häuser des Parlaments. Die Regierung drängt auf eine Diversifizierung der kasachischen Wirtschaft. 2011 beschloss die kasachische Regierung ein staatlich finanziertes Investitionsprogramm, das den Industriesektor stärken und neue Investitionen nicht nur in den traditionellen Bergbausektor, sondern auch in den Produktionssektor bringen soll.
Der kasachische Staat verfügt über ein Rating von BBB mit positivem Ausblick von Fitch und von BBB+ (stabil) von Standard and Poor’s. Die Ratings spiegeln die solide Haushaltsposition und eine verbesserte Wirtschaftsleistung des Landes wider.
Quellen: UniCredit Research, Raiffeisen Research, IWF

Außenhandel mit Deutschland

In der Rangliste der Außenhandelspartner Deutschlands, 2011:
Deutsche Einfuhr: 33. Platz
Deutsche Ausfuhr: 54. Platz