Russlandhandel stützt deutsche Exportwirtschaft

Der Export nach Russland stieg von Januar bis August um über 14 Prozent © bayernhafen
Der Export nach Russland stieg von Januar bis August um über 14 Prozent © bayernhafen

WIESBADEN/MOSKAU. Die bilateralen Wirtschaftsbeziehungen zeigen sich vor den 14. Deutsch-Russischen Regierungskonsultationen diesen Freitag in Moskau in gutem Zustand. Von Januar bis August dieses Jahres haben deutsche Unternehmen laut Statistischem Bundesamt Waren im Wert von 24,2 Milliarden Euro gen Osten geliefert und damit 14,1 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum 2011. Es sieht danach aus, als stünde der deutschen Wirtschaft 2012 ein neuer Rekord bei den Russland-Exporten ins Haus. Im vergangenen Jahr waren Güter im Wert von 34,4 Millionen Euro nach Russland geliefert worden. Die Regierungskonsultationen könnten zusätzliche Impulse für den bilateralen Handel geben. Am Rande sollen Geschäftsabschlüsse verschiedener Unternehmen besiegelt werden.

Besonders in den wichtigsten beiden Exportsparten Deutschlands brummt der Handel mit Russland. In der Automobilwirtschaft und im Maschinen- und Anlagenbau haben sich die Warenlieferungen in diesem Jahr sehr positiv entwickelt. Rückläufige Metallausfuhren nach Russland sind ein Grund, warum die deutsche Exportdynamik im August ein wenig an Schwung verloren hat. Im Vergleich zum Vorjahresmonat steigerten sich die deutschen Lieferungen nach Russland um 5,2 Prozent, im Juni waren es noch 17,1 Prozent. Ähnliches lässt sich auch aus den Tabellen des Föderalen Zolldienstes Russland lesen. Von Juli bis September hat die Wachstumsdynamik der Importe aus Deutschland von 5,9 Prozent auf 2,3 Prozent abgenommen. Das Plus beim bilateralen Handelsumsatz lag im Juni bei 10,5 Prozent, im September bei nur noch 5,6 Prozent.

Insgesamt ist der bilaterale Umsatz allerdings von Januar bis September so groß, dass Deutschland die Niederlande als zweitwichtigster Handelspartner abgelöst hat. Mit 60,3 Milliarden US-Dollar liegt nur noch China in der russischen Zollstatistik vor der Bundesrepublik, die einen bilateralen Handelsumsatz von 51,7 Milliarden US-Dollar verbucht. Bei den Direktinvestitionen stand Deutschland nach dem ersten Halbjahr mit einem Anteil von 7,5 Prozent auf Platz sechs in dem Ranking, das die russische Statistikbehörde veröffentlichte.

In Europa sieht es für die deutsche Exportwirtschaft nicht annähernd so gut aus. Die deutschen Ausfuhren sind im September das erste Mal seit mehr als zweieinhalb Jahren gesunken. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, gingen sie um 3,4 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum zurück. Im Vergleich zum August beträgt der Rückgang 2,5 Prozent.

Die Wachstumsdynamik hatte schon in den vergangenen Monaten mehr und mehr eingebüßt – vor allem aufgrund der schwierigen Finanzlage der europäischen Länder. Besonders die südlichen EU-Länder haben auf teure Einkäufe in Deutschland verzichtet. Im September brachen die deutschen Exporte in die Eurozone mit mehr als neun Prozent erneut besonders heftig ein. awa

Dieser Beitrag ist erschienen in Russland Aktuell 46/2012.