Exportfinanzierung: Übliche Verdächtige

Das Coface Länderrating für Mittel- und Osteuropa © OWC
Das Coface Länderrating für Mittel- und Osteuropa © OWC

Ob Windräder und Tunnelvortriebsmaschinen für die Türkei oder Schachteinbauten für ein Kalibergwerk in Russland – ohne die Absicherung durch eine Exportkreditversicherung (ECA) käme manches Geschäft gar nicht zustande. Nachdem es Anfang des neuen Jahrtausends fast so aussah, als sei die staatliche Exportkreditversicherung ein Auslaufmodell, sind solche ECA-Deckungen nun wieder fester Bestandteil des Kredit- und Finanzierungsangebots im Außenhandel – und zwar nicht nur mit Schwellenländern, sondern auch mit etablierten Industrieländern wie Australien oder Belgien. Bei Euler Hermes lag das Deckungsvolumen zwischen Januar und September 2012 mit 21,3 Milliarden Euro nur geringfügig unter dem starken Vorjahr, vor allem weil bislang weniger Großprojekte verwirklicht wurden. Das kurzfristige Geschäft (bis zwei Jahre Kreditlaufzeit) wird stark nachgefragt und machte 13,6 Milliarden Euro aus.

Auf den vorderen Plätzen liegen die „üblichen Verdächtigen“, berichtete Hans Janus, Vorstandsmitglied der Euler Hermes Deutschland AG, Mitte Oktober auf der Deutschen Exportfinanzierungskonferenz 2012 in Berlin: Russland liegt mit einem Deckungsvolumen von 2,6 Milliarden Euro unangefochten auf Platz eins, die Türkei mit 1,5 Milliarden Euro nach China auf Rang drei. Dabei betrafen die Absicherungen in beiden Ländern zu 70 bis 80 Prozent kurzfristige Geschäfte.

Die Finanzierungsrisiken sind mit Finanz- und Eurokrise gestiegen. In Polen und Ungarn beobachtet der Kreditversicherer Coface eine Zunahme von Zahlungsverzögerungen und -ausfällen. Besonders schwer wiegt der Fall Kasachstan, wo dem Bund als Garantiegeber mit der Restrukturierung zweier Banken weitere Forderungsausfälle drohen: „Das Drama in Kasachstan geht weiter“, so Janus.

Jedes vierte Unternehmen berichtet laut einer Studie von KfW und Creditreform über Schwierigkeiten bei der Finanzierung seiner Auslandsaktivitäten. Die kreditgebenden Banken sind angesichts schwierigerer Refinanzierungsmöglichkeiten zurückhaltender. „Für die Exporteure wird es immer wichtiger, gute Hausbank-Beziehungen zu haben. Bei knapper Refinanzierung werden Stammkunden häufig bevorzugt“, sagt Janus. ch

Dieser Beitrag ist erschienen in Ost-West Contact 11/2012.