Kasachstan auf dem Weg zum Hub zwischen China und Europa

Kasachstan verzeichnet beachtliche Wachstumsraten beim Transitverkehr © KTZ
Kasachstan verzeichnet beachtliche Wachstumsraten beim Transitverkehr © KTZ

Im „Logistics Performance Index“ (LPI) der Weltbank nimmt Kasachstan 2012 Platz 86 ein. Bis 2020 will es auf Platz 40 vorrücken. Dazu müssen die Effektivität der Zollprozeduren, die Qualität der Infrastruktur verbessert, der internationale Transport erleichtert, Kompetenz in der Logistik aufgebaut und die Pünktlichkeit gesteigert werden.
Zusätzlichen Druck in diese Richtung macht die von Präsident Nursultan Nasarbajew gestellte Aufgabe, das Land bereits bis 2016 zu einem Handels-, Logistik- und Business-Hub der Region zu entwickeln. Eine herausragende Rolle sollen dabei die Steigerung der Transitverkehre und der Ausbau der Logistikservices spielen.

Die generellen Voraussetzungen, diese Ziele zu erreichen, sind gut. Yerkhat Iskaliev, Vizepräsident für Logistik der AO „NK „Kazakhstan Temir Zholy” (KTZ), sieht vor allem in der vorteilhaften geografischen Lage und den technologischen Transitmöglichkeiten Kasachstans enorme Chancen, das Land zu einem „Schlüsselspieler auf dem Weg der Güterströme zwischen Ost und West“ zu machen. Mehrere internationale Transportkorridore führen durch Kasachstan. Der Transitverkehr hat in den letzten Jahren zugenommen. Nach eigenen Angaben haben die Kasachischen Eisenbahnen 2011 rund 16,5 Millionen Güter im Transit befördert, 1,5 Millionen Tonnen mehr als im Vorjahr. Unter den Ländern der Wirtschaftsunion Russland-Belarus-Kasachstan hat Kasachstan die größten Wachstumsraten beim Transitverkehr. Gütertransporte zwischen Russland bzw. China und anderen zentralasiatischen Staaten rangieren zurzeit beim Transit vorn.

Eine beachtliche Zunahme verzeichnen heute Transitverkehre zwischen China und Westeuropa. Ein Beispiel für die wettbewerbsfähige Realisierung eines Ganzzugs im Ost-West-Verkehr in Übereinstimmung mit den internationalen Standards für Logistik ist die Organisation des Containerzugverkehrs Chongqing-Duisburg über Dostyk an der chinesisch-kasachischen Grenze. Mit ihm wird die Beförderung sensibler Computertechnik der Unternehmen HP, ASUS, ACER und anderer nach dem Prinzip Door-to-door in 15 bis 16 Tagen zwischen China und Deutschland realisiert. Hierbei arbeiten die Transportholding Chunzin, die Gesellschaft für Containerbeförderungen der Chinesischen Bahnen CRIMT, die Containergesellschaft der KTZ Kaztransservice, die RZD Logistika AG und DB Schenker im Joint Venture YuXinOu (Chongqing) Logistics Co. Ltd. zusammen.

Solche Verkehre werden in den nächsten Jahren noch zusätzliche Impulse durch die weitere Verlagerung großer Wirtschaftszentren in China in Richtung der kasachischen Grenze erhalten. Diese Gebiete werden angesichts ihrer niedrigeren Kosten für Personal und Boden im Vergleich zu den Küstenregionen zunehmend erschlossen.

Über Kasachstan erreicht man die neu entstehenden Wirtschaftszentren an der chinesischen Westgrenze © KTZ
Über Kasachstan erreicht man die neu entstehenden Wirtschaftszentren an der chinesischen Westgrenze © KTZ

Eines der jüngsten Beispiele ist die jetzt offiziell angekündigte Investition des südkoreanischen Konzerns Samsung in Xi‘an unmittelbar an der „Neuen Seidenstraße“ in einer Größenordnung von sieben Milliarden US-Dollar. Das Werk, in dem moderne Speicherzellen produziert werden, soll 2014 die Arbeit aufnehmen. Erfahrungsgemäß sind solche Großinvestitionen auch ermutigend für andere Unternehmen, in die jeweilige Region zu expandieren. Im Ergebnis dürfte sich hier unweit der kasachischen Grenze ein neues großes Wirtschaftszentrum etablieren. Je näher die Investitionen an Chinas Westgrenze rücken, desto kürzer werden die Landtransportzeiten Richtung Europa beziehungsweise Persischen Golf, was die Position Kasachstans als Transitdrehscheibe stärkt.
Zur Steigerung der Transitverkehre und zum Ausbau der Logistik kommt Kasachstan nicht umhin, in die Infrastruktur zu investieren.

Moderne Kommunikation erschließt neue Ressourcen
Bei der Entwicklung des Landes zu einem Logistikzentrum der Region und einer internationalen Transitdrehscheibe spielen die Kasachischen Bahnen eine herausragende Rolle. Präsident Nasarbajew hat ihnen die Funktion einer Art Leitzentrale für die Logistik übertragen. Um dieser Aufgabe entsprechen zu können, wurde auf der Basis der AO „KTZ“ die AO „Nationales Zentrum zur Entwicklung der Transportlogistik“ unter Leitung des KTZ-Vizepräsidenten Iskaliev als ein steuerndes, organisierendes und beratendes Organ gegründet. Unter Beteiligung internationaler Berater wurde ein Masterplan zur Entwicklung des Transport-Logistik-Systems der Republik Kasachstan ausgearbeitet, der auch die Schaffung von modernen Logistikzentren einschließt. Gegenwärtig sind acht in Planung beziehungsweise Realisierung.

Elektronische Gütererfassung soll künftig die Grenz- und Zollabfertigung erleichtern © KTZ
Elektronische Gütererfassung soll künftig die Grenz- und Zollabfertigung erleichtern © KTZ

Projekt „Elektronischer Zug“
Im Rahmen der Ausstellung „Transit Kasachstan-2012“ fand am 20. September 2012 in Almaty ein Runder Tisch „Kasachstan – Neue Seidenstraße – Brücke zwischen Europa und Asien“ statt. Dort wurde neben der Notwendigkeit weiterer Fortschritte bei der Infrastrukturentwicklung auch das Erfordernis einer beschleunigten Grenz- und Zollabfertigung der Güter behandelt. Künftig soll unter anderem stärker auf die Nutzung der elektronischen Voranmeldung der Güter und die Mitwirkung am Projekt „Elektronischer Zug“ in den euroasiatischen Verkehren orientiert werden. Hierzu wird die KTZ die Erfahrungen der schweizerischen InterRail-Gruppe nutzen, die eine der Hauptinitiatoren des Projekts „Elektronischer Zug“ ist und über Erfahrungen bei der praktischen Nutzung der elektronischen Voranmeldung an anderen Grenzübergängen in den euroasiatischen Verkehren verfügt.

Die InterRail-Gruppe ist auch der Hauptbetreiber des Containerganzzugverkehrs „Ostwind“ zwischen Berlin und der GUS. „Wir haben diesen jetzt bis Kasachstan verlängert und wollen Aktobe zu einem Hub für Verkehre zwischen Westeuropa und Zentralasien/China entwickeln“, erläutert der Präsident der InterRail Holding, Hans Reinhard, das neue Konzept. Man habe heute in Kasachstan verstanden, dass moderne Logistik-Hubs die Voraussetzung sind, wenn Kasachstan künftig als Eisenbahn-Plattform für internationale Ganzzug-Systeme wahrgenommen werden will.

Partner gesucht

Um zu Fortschritten in der Logistik zu kommen, arbeitet Kasachstan heute mit Partnern aus vielen Ländern zusammen. Eine herausragende Rolle spielt dabei das Programm der KTZ „Global Partner“, in dessen Rahmen die Zusammenarbeit mit internationalen führenden Logistikpartnern entwickelt werden soll. Jüngste Beispiele dafür sind die Unterzeichnung eines Memorandums mit dem japanischen Unternehmen „SENKO Co.Ltd.“ und dem südkoreanischen Konzern „Samsung C&T Corporation“ mit dem Ziel, durch gemeinsame Projekte zur Erhöhung des Niveaus des logistischen Klimas in Kasachstan beizutragen.

Dabei soll auch die Frage eines möglichen investiven Engagements zum Beispiel von Samsung in der Sonderwirtschaftszone „Khorgos-Östliche Tore“ beziehungsweise im Internationalen Zentrum für Grenzzusammenarbeit MZPS „Khorgos“ einbezogen werden. Um die Idee von einer lebhaften Wirtschaftszone an der kasachisch-chinesischen Grenze realisieren zu können, werden dringend noch private Investoren gesucht. Die Partnerschaft zwischen der privaten Geschäftswelt und den staatlichen Strukturen soll bei der Umsetzung der Strategie der Transport-Logistik-Systeme generell einen wichtigen Platz einnehmen. Christine Kulke-Fiedler

Dieser Beitrag ist erschienen in Ost-West-Contact 10/2012.