Deutsche Firmen in Taiwan überwiegend optimistisch

Standorte deutscher Firmen in Taiwan © Deutsches Wirtschaftsbüro Taipei
Standorte deutscher Firmen in Taiwan © Deutsches Wirtschaftsbüro Taipei

TAIPEI. Trotz der internationalen konjunkturellen Entwicklung sehen deutsche Firmen in Taiwan optimistisch in die Zukunft. Das ergab eine erstmals vom Deutschen Wirtschaftsbüro Taipei in Zusammenarbeit mit Germany Trade & Invest durchgeführte Umfrage, deren Ergebnisse im Juli 2012 in Taipei vorgestellt wurden.
Danach ist Taiwan vor allem für die Bereiche Vertrieb und Marketing sowie für den Dienstleistungssektor attraktiver. Mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen geht davon aus, in diesem Jahr die Geschäftsziele zu erreichen oder zu übertreffen und 28 Prozent der Firmen wollen im Laufe des Jahres ihre Investitionen auf Taiwan ausbauen. Die Unternehmen profitieren zudem von der Verbesserung der Beziehungen zum chinesischen Festland und den Erleichterungen im Handel an der Taiwan-Straße. Sie meinen, dass sich mit der am 1. Januar 2011 in Kraft getretenen Vereinbarung zwischen Taiwan und China über eine engere wirtschaftliche Partnerschaft ECFA sowohl in Taiwan als auch in der asiatisch-pazifischen Region neue Geschäftschancen ergeben. Mehr als 50 Prozent der Firmen profitieren bereits davon. Vorteile aus den Zollsenkungen, die mit ECFA in Kraft traten, sehen zurzeit 35 Prozent der Firmen und von zu erwartenden weiteren Zollsenkungen erhoffen sich 51 Prozent neue Möglichkeiten. 41 Prozent der Firmen setzen auf Erleichterungen im Dienstleistungshandel und 37 Prozent wünschen Vereinfachungen bei der Einreise von chinesischen Mitarbeitern.

Wichtigster Standort: Taipei
15 Prozent der deutschen Unternehmen in Taiwan fungieren als Greater-China-Headquarter und 24 Prozent erwarten ein Umdenken bei der China-Strategie ihrer Mutterhäuser: Sie sind der Auffassung, dass der chinesische Markt in Zukunft noch stärker von Taiwan aus bearbeitet werden kann. Sechs Prozent gaben an, dass es durchaus denkbar sei, in Taiwan das regionale Headquarter anzusiedeln. Dem komme auch eine Initiative des taiwanischen Wirtschaftsministeriums vom August 2012 entgegen, die darauf zielt, bis 2015 rund 300 ausländische Unternehmen anzusiedeln.
Wichtigster Standort für deutsche Unternehmen ist mit 71,5 Prozent Taipei, gefolgt von Taichung (9,8 Prozent), Taoyuan (7,3 Prozent) und Kaoh­siung (4,9 Prozent). 76,5 Prozent der Firmen haben auch Niederlassungen auf dem chinesischen Festland, 48,7 Prozent in Hongkong und 4,2 Prozent in Macao.
Der Umfrage zufolge betrachtet fast ein Viertel der Unternehmen Taiwan hinsichtlich Umsatz und Gewinn als einen der drei wichtigsten Märkte weltweit. 62 Prozent gaben an, im vergangenen Jahr einen Umsatz von mehr als 100 Millionen Taiwan-Dollar realisiert zu haben. Wesentlicher Grund für das Engagement in Taiwan ist das lokale Absatzpotenzial, sagten mehr als drei Viertel der Unternehmen. Das trifft insbesondere für Maschinenbauer zu, die gleichzeitig den lokalen Wettbewerb am stärksten zu spüren bekommen. Für zwei Drittel der Firmen ist die Nähe zu den Hauptkunden entscheidend. Im Dienstleistungsbereich überwiegen Unternehmen aus der Logistik-Branche. Nur neun Prozent der deutschen Unternehmen produzieren auf der Insel. Das ist vor allem in den Bereichen Automobil, Maschinen- und Anlagenbau und Chemie der Fall.
An der Umfrage haben sich 123 der insgesamt 208 deutschen Unternehmen in Taiwan beteiligt. pt

Dieser Beitrag ist erschienen in ChinaContact 10/2012 sowie im Extra TaiwanContact 02/2012.