Deutsche erobern Anteile im russischen Automarkt

Opel stellte den neuen Astra in Moskau vor © GM Company
Opel stellte den neuen Astra in Moskau vor © GM Company

MOSKAU. Die deutsche Automobilindustrie profitiert vom Boom auf dem russischen Fahrzeugmarkt. Während in Europa die Absatzzahlen zurückgehen, vermelden die deutschen Hersteller und Zulieferer anlässlich der beiden Automessen MIMS und MIAS Ende August in Moskau ihre Erfolgszahlen aus Russland. Opel berichtet, von Januar bis Juli ein Absatzplus in Höhe von 29 Prozent verzeichnet zu haben. Im vergangenen Jahr konnten die Rüsselsheimer Autobauer, die in Moskau unter anderem ihr neues Astra-Modell vorstellten, gemeinsam mit der Schwestermarke Vauxhall 67.600 Fahrzeuge in Russland verkaufen, am Ende dieses Jahres sollen es mindestens 80.000 sein. Bei der BMW-Gruppe stand ein Plus von 30 Prozent mit rund 19.400 übergebenen Fahrzeugen, Mercedes-Benz setzte 19.900 Wagen ab und erreichte so einen Zuwachs von 27 Prozent.

Noch beachtlicher steigerte sich Volkswagen. In den ersten sieben Monaten des Jahres verkaufte VW rund 95.600 Neuwagen in Russland, und damit 69 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Kurz vor Beginn der großen Autoschauen in Moskau hatte Volkswagen bekannt gegeben, dass es seine Produktionsstädte in Kaluga um ein eigenes Motorenwerk erweitern wird – Investitionsumfang: eine Viertelmilliarde Euro. Die VW-Tochter Audi tritt wieder auf den Plan in Russland. Mitte kommenden Jahres solle die erst 2010 aufgegebene Fertigung wieder aufgenommen werden. In einer ersten Etappe sollen jährlich 10.000 Geländewagen in Kaluga enstehen.

Zuliefer mit und ohne eigene Standorte
Die deutsche Zulieferindustrie präsentierte sich innerhalb eines Gemeinschaftsstandes auf der parallel zur MIAS stattfindenden Interauto. Hier zeigten sich in Russland sehr aktive Unternehmen, wie Fensterheberproduzent Brose, der seit Februar 2012 in einem eigenen Werk in Togliatti für den Lada-Hersteller AvtoVAZ fertigt, neben Firmen, die noch über einen eigenen Standort nachdenken, wie Schließsystem-Bauer Huf. Für eine Präsenz entschieden hat sich bereits die Woco Industrietechnik GmbH, die seit 2005 ebenfalls an AvtoVAZ Steuer- und Reglungstechnik für Ventile verkauft, und im kommenden Jahr mit einer eigenen Produktion starten will.

Brose fertigt in eigenem Werk in Togliatti Fensterheber für Lada © Brose
Brose fertigt in Togliatti Fensterheber für Lada © Brose

Nach enormen Einbrüchen 2008/2009 zeigt sich der russische Automarkt wieder dynamisch. Im vergangenen Jahr legte er um 30 Prozent zu. Gemäß der Statistik der Vereinigung europäischer Unternehmen in Russland (AEB) wurden 2011 2,6 Millionen Fahrzeuge abgesetzt. Für dieses Jahr rechnet der AEB mit 2,8 Millionen Neuwagenverkäufen. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) hat errechnet, dass im ersten Halbjahr bereits ein Plus von 14 Prozent bei 1,67 Millionen verkauften Fahrzeugen entstanden ist. Den deutschen Konzernmarken kommt dabei eine wichtige Rolle zu. Ihr Marktanteil habe sich von Januar bis Juli um drei Prozent auf 20,7 Prozent verbessert, sagte VDA-Geschäftsführer Klaus Bräunig auf einer Messe-Veranstaltung des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft. Im ersten Halbjahr wurden dabei mehr deutsche Autos in Russland produziert (90.000, plus 63 Prozent) als nach Russland exportiert (81.000 Wagen).

Trotz WTO-Beitritt wohl keine Erleichterungen
Die zunehmende Verlagerung der Produktionen nach Russland ist der schnellen Entwicklung des Automarktes und der Politik der russischen Regierung geschuldet, die einheimische Industrie anzukurbeln. Zoll-Präferenzen bei der Lieferung werden nur Herstellern gewährt, die sich auch auf eine bestimmte Produktionsmenge im Land festlegen. Außerdem schreibt ein Zusatzprotokoll zum Dekret 166, das die Kfz-Montage in Russland regelt, einen Local-Content-Anteil von 60 Prozent bis 2016 fest. Hoffnungen der Automobilindustrie, dass sich mit dem Beitritt Russlands zur Welthandelsorganisation die Absatzchancen durch die verringerten Zollgebühren verbessern, schob die Regierung erstmal einen Riegel vor. Durch die Einführung einer Recycling-Gebühr für importierte Fahrzeuge werden erwartete Gebührensenkungen vermutlich wieder wettgemacht, sagte Ost-Ausschuss-Vorsitzender Eckard Cordes in Moskau. Die Duma hat die Abgabe bereits bewilligt. Bis dato wurde allerdings noch nichts über die genaue Höhe bekannt gegeben. awa