Energiekooperation: Neue deutsch-ukrainische Initiativen

Lindner (5. v. r.) und Wellmann (3. v. l.) beim Treffen mit Premierminister Asarow (Mitte) © www.kmu.gov.ua
Lindner (5. v. r.) und Wellmann (3. v. l.) beim Treffen mit Premierminister Asarow (Mitte) © gov.ua

KIEW. Der Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft hat dem ukrainischen Premierminister Mykola Azarow bei Gesprächen in Kiew Mitte Mai einen Projektvorschlag zur Teilrehabilitierung des ukrainischen Gastransportsystems unterbreitet. Das Projekt sieht die Modernisierung einer ersten Verdichterstation in der Ukraine durch ein deutsches Firmenkonsortium vor. Die Kompressorstationen des Gastransitnetzes waren bereits in den 1970er Jahren von einer deutschen Firmengruppe gebaut worden. Die eingebauten Gasturbinen und Kompressoren müssen nun dringend generalüberholt werden. „Die Erneuerung des teilweise überalterten Gastransitnetzes ist eines der wichtigsten wirtschaftlichen und politischen Projekte im Dreieck EU-Ukraine-Russland. Das Pilotprojekt könnte der Grundstein für das seit Jahren erwogene Gaskonsortium zwischen den drei Seiten sein. Deutschland kann hier eine wichtige Vermittlerposition einnehmen“, sagte der CDU-Bundestagsabgeordnete Karl-Georg Wellmann, der die Ost-Ausschuss-Delegation begleitete. Die ukrainische Seite sicherte zügige Schritte zur Umsetzung des Pipelineprojekts zu.
Über das Pipelinesystem der Ukraine gelangen zurzeit etwa 70 Prozent des aus Zentralasien und Russland transportierten Erdgases nach Westeuropa. Bisher werden zum Betrieb dieser Stationen sechs Milliarden Kubikmeter technisches Gas verbraucht. Durch eine vollständige Modernisierung könnte dieser Verbrauch um bis zu 30 Prozent reduziert werden.

Rahmenabkommen über Gaslieferungen
Um die Abhängigkeit von den teuren russischen Erdgaslieferungen zu reduzieren, verhandelt die Ukraine derzeit außerdem mit dem Essener Energiekonzern RWE über Gasimporte aus Europa. Mitte Mai teilten das ukrainische Staatsunternehmen Naftogaz und das RWE-Energiehandelshaus RWE Supply & Trading mit, dass ein Rahmenabkommen unterzeichnet worden sei, das die rechtliche Grundlage für Verhandlungen über Preise, Umfang und Bedingungen liefert. Die Details müssten noch verhandelt und in zusätzlichen Verträgen erfasst werden, hieß es.
Naftogaz plant, zunächst täglich rund drei Millionen Kubikmeter Erdgas aus Europa zu beziehen. RWE könnte dafür aus Russland tagesaktuell erworbenes Gas vom Spot-Markt zur Verfügung stellen. Dieses sei bedeutend günstiger als das im Rahmen von Langzeitverträgen nach Europa fließende Gas.

Pilotprojekt „Energieeffiziente Stadt“
Auch bei der Energieeinsparung durch energetische Modernisierung bekommt die Ukraine Unterstützung durch die deutsche Wirtschaft: In der Kleinstadt Schowkwa im Gebiet Lwiw soll im Rahmen des Pilotprojekts „Energieeffiziente Stadt“ die kommunale Infrastruktur unter Beteiligung deutscher Unternehmen grundlegend modernisiert werden, berichtete der Ost-Ausschuss Anfang Mai. Am Beispiel der westukrainischen Stadt sollen Instrumente und Mechanismen zur energieeffizienten Sanierung entwickelt werden, die sich auf andere ukrainische Städte übertragen lassen. Bei einem Arbeitstreffen Mitte April in Schowkwa zeigten rund 50 Teilnehmer Interesse an dem Projekt – neben deutschen Unternehmen wie Bosch, BASF, Siemens, E.ON und Schüco waren zahlreiche Vertreter der Stadt Schowkwa, kommunaler Unternehmen, der Gebietsverwaltung Lwiw und vonseiten des Ministeriums für Regionalentwicklung anwesend. Es wurde vereinbart, ein Consulting-Unternehmen für das Projektmanagement einzusetzen. In Kooperation mit den Unternehmen, der Stadt und dem Ministerium sollen ein Konzept zur technischen Realisierung und Finanzierung des Vorhabens sowie Vorschläge für die Schaffung der erforderlichen politisch-rechtlichen Rahmenbedingungen erarbeitet werden.
Für die Implementierung des nationalen Programms für Energieeffizienz seien allein 2012 rund 828 Millionen Hrywnja (82 Millionen Euro) eingeplant, erklärte Mykola Paschkewitsch, Chef der staatlichen Agentur für Energieeffizienz und Energieeinsparung, in der vergangenen Woche in Kiew. Ein Großteil davon, rund 500 Millionen Hrywnja (50 Millionen Euro), werde mit Geldern aus dem Staatshaushalt gedeckt. Für den Rest setzt Paschkewitsch auf Investitionen aus den EU-Ländern und konkret auf eine „enge Zusammenarbeit mit ausländischen Unternehmen“. gh