Vier Milliarden Dollar für chinesisch-russischen Fonds

Li und Putin Ende April in Moskau © gov.ru
Li und Putin Ende April in Moskau © gov.ru

MOSKAU. Russland intensiviert die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit der Volksrepublik China. Bei einem chinesisch-russischen Wirtschaftsforum anlässlich des Moskau-Besuches des stellvertretenden chinesischen Regierungschefs Li Keqiang wurden Anfang Mai 27 Verträge mit einem Gesamtwert von 15 Milliarden US-Dollar geschlossen. Gegenüber dem designierten Präsidenten Wladimir Putin betonte Li, die Handelskooperation sei das Fundament der strategischen Partnerschaft beider Länder. Im vergangenen Jahr lag das bilaterale Handelsvolumen bei rund 83 Milliarden US-Dollar. Das sind etwa zehn Prozent des Gesamtumsatzes im russischen Außenhandel. Damit ist China der wichtigste Handelspartner für Moskau. Die neuen Abkommen betreffen vor allem den Energie-, Finanz- und Informationstechnologiesektor sowie den Maschinen- und Anlagenbau.

Für China sind vor allem die russischen Rohstoffe interessant. Chinesische Medien berichten, dass die Energieunternehmen China National Petroleum Corporation und Gazprom ein Memorandum über grundlegende Bedingungen für Gaslieferungen an China unterzeichnet haben. Auch die Aluminiumhersteller Rusal und das Staatsunternehmen Norinco sind sich einig geworden. Eine neue Übereinkunft hält fest, dass binnen der nächsten drei Jahre Aluminium für mehr als eine Milliarde US-Dollar gen China gehen soll. Schon 2009 hatte Norinco erklärt, bis 2016 bei Rusal 1,68 Millionen Tonnen Aluminium zu erwerben. Norinco ist einer der größten Kunden von Rusal in Asien. Nach Angaben des russischen Unternehmens entfielen auf China im vergangenen Jahr 45 Prozent des weltweiten Aluminiumverbrauchs.

Russland rechnet dagegen mit chinesischer Unterstützung bei der Modernisierung des Landes. Im Vorjahr hatten sich die beiden Seiten auf die Einrichtung eines Fonds für Investitionen verständigt. Jetzt wurden die Details festgeschrieben. Insgesamt wird ein Kapital von vier Milliarden US-Dollar angesetzt. Jeweils eine Milliarde werden der 2011 gegründete russische Staatsfonds für Direktinvestitionen (RDIF) und die chinesische Investmentkorporation (SIC) beisteuern, die fehlenden zwei Milliarden sollen von institutionellen Investoren aus China kommen. An dem neuen Joint Venture hält Russland 60 Prozent und China 40 Prozent. Das Geld soll unter anderem in die Landwirtschaft, den Transportsektor und die Holzverarbeitung fließen, wobei 70 Prozent in Russland und den GUS-Staaten und 30 Prozent in China ausgegeben werden sollen.
„Chinesische Fonds verfügen über langfristige und relativ günstige Ressourcen“, sagte RDIF-Chef Kirill Dmitrijew gegenüber der Zeitung Wedomosti. Im Fokus des gemeinsamen Vorgehens stehen vor allem Projekte in Sibirien und dem Fernen Osten. Russland versucht schon lange, den strukturschwachen östlichen Teil des Landes zu fördern. So sollen eine Entwicklungsgesellschaft für diese Gebiete eingerichtet und umfangreiche Steuervergünstigungen erlassen werden. awa