German Industry Park als Heimstatt in Yokohama

Die Auslastung des Parks liegt heute bei 92 Prozent © Deka
Die Auslastung des Parks liegt heute bei 92 Prozent © Deka

Yokohama bietet seinen Bewohnern eine hohe Lebensqualität. Gut ausgebildete Fachkräfte gibt es in ausreichender Zahl und auch die Infrastruktur lässt nichts zu wünschen übrig. Viele gute Gründe, die für die Wirtschafts- und Technologiemetropole sprechen, in der sich bereits über 300 Forschungsinstitute und mehr als 6.000 Technologieunternehmen angesiedelt haben. In diesem Umfeld entstand auch der heutige German Industry Park.

Nachdem sich die deutsche Wirtschaft 1984 in Tokio erfolgreich mit einer Leistungsschau präsentiert hatte, entstand die Idee, in Yokohama einen Büro- und Produktionskomplex für deutsche Unternehmen aufzubauen, die den japanischen Markt erschließen oder ihr Japan-Engagement erweitern wollten. Drei Jahre später wurde der German Park of Industry and Trade fertiggestellt und eröffnet.

Neustart 2008
Im Jahr 2008 kaufte die Deka Immobilien GmbH das Objekt und initiierte ein neues Branding. So erfolgte die Umbenennung in German Industry Park, ein Name, der als inter- nationale Marke registriert wurde. Das Gebäude selbst erfuhr jedoch keine Veränderung. Dazu bestand kein Grund, denn die preisgekrönte Architektur von Kazuyuki Noro vereint auch heute noch Design und Funktionalität.

Als den eigentlichen Kern des German Industry Parks bezeichnet Asset Manager Oliver Lichter die für Produktion, Lagerung sowie Forschung und Entwicklung vorgesehenen Flächen – die unter der Bezeichnung WAM zusammengefasst sind. WAM steht für Warehousing, Assembly and Manufacturing. Mit rund 12.000 Quadratmetern stehen dafür fast zwei Drittel der zu vermietenden Flächen zur Verfügung. Dazu kommen etwa 6.800 Quadratmeter Büroflächen, außerdem Räumlichkeiten für Konferenzen und Meetings, die die Mieter kostenfrei nutzen können, sowie Flächen für Ausstellungen und Events.

Ein weiteres Plus seien die Showrooms im Erdgeschoss des Bürobereichs, so Lichter, wo insbesondere große Mieter ihre Marketing- und Vertriebsaktivitäten zusammenfassen und ihre Kunden direkt und ohne Zeitverluste betreuen. Die imposante Eingangshalle strahle zwar noch den Charme der 1980er Jahre aus, sagt Lichter. Das sei aber derzeit nicht entscheidend, denn ihre Aufgabe, die zwei Flügel des Gebäudes mit ihren unterschiedlichen Nutzungskonzepten miteinander zu verbinden, erfülle sie voll und ganz. In den oberen Etagen ermöglichen Brücken den schnellen Wechsel zwischen Büros und WAM- Flächen.

Die Architektur ist heute noch modern © Deka
Die Architektur ist heute noch modern © Deka

Stark begehrte Flächen
Der WAM-Bereich ist mit 95 Prozent Vermietung besonders stark ausgelastet. Seine Flächen sind exakt auf die Bedürfnisse produzierender Unternehmen zugeschnitten und daher sehr begehrt. Sie verfügen mit 2.000 Kilogramm pro Quadratmeter über hohe Traglastkapazitäten – ein wichtiges Kriterium, wenn schwere Maschinen für die Produktion installiert werden sollen.

In der unteren Etage liegt die Deckenhöhe bei 6,60 Metern, so dass dort Krane installiert werden können. Die Flure wiederum sind breit gehalten, damit Fahrzeuge auch in die oberen Etagen gebracht und dort eingesetzt werden können, und selbstverständlich werden Druckluft und Wasser für die Produktion bereitgestellt. Der Bürobereich ist zu 85 Prozent ausgelastet, und so kommt der German Industry Park auf 92 Prozent vermietete Flächen. Damit ist Oliver Lichter zufrieden. „Eine 100-prozentige Auslastung ist zwar schön, aber nicht ideal. Fünf Prozent der Flächen sollten möglichst zur Verfügung stehen, um auf die individuellen Wünsche von Mietern eingehen zu können.“

Derzeit haben sich 21 Unternehmen im German Industry Park eingemietet, davon zehn deutsche, je eines aus Frankreich, der Schweiz und Belgien. Die anderen Mieter sind mittelständische japanische Unternehmen. Die Standortvorteile des Gebäudes direkt im Hakusan High-Tech Park und die sehr gute infrastrukturelle Anbindung zusammen mit den Objekteigenschaften überzeugen die Mieter, so Lichter. Die Unternehmen wissen zu schätzen, dass sie Verwaltung, Vertrieb und Produktion bündeln und dann auf einer Etage realisieren können.

Yokohama ist sehr an der Ansiedelung internationaler Unternehmen interessiert und legt regelmäßig Förderprogramme auf, in deren Rahmen die Stadt Mitzuschüsse an ansiedlungswillige Firmen zahlt. Die unterschiedlichen Mieter profitieren aber nicht nur von den kurzen Wegen im Gebäude, sondern auch vom Austausch untereinander. Möglichkeiten zum Networking werden regelmäßig organisiert – Oktoberfest, Weihnachtsfeier, Feier zum japanischen Neujahrsfest – und alle werden rege genutzt.

Die durchschnittliche Verweildauer der Unternehmen beträgt etwa zehn Jahre. Mit Mercedes und LG hatten 2010 zwei größere Unternehmen den Standort verlassen, jedoch konnten rasch neue, namhafte Mieter gefunden werden, so die BASF, die Ende 2011 als neuer Ankermieter einzog. Und auch die Mehrfachkatastrophen im vergangenen Jahr haben sich nicht negativ auf die Vermietung ausgewirkt, sagt Lichter. Unternehmen, die sich Ende 2010, Anfang 2011 für den Standort interessierten, seien nicht abgesprungen, sondern hätten ihre Pläne weiter umgesetzt. Das spricht für Japan, für die zweitgrößte Stadt des Landes und nicht zuletzt für den Standort German Industry Park. rei

Der Beitrag ist erschienen in JapanContact 01/2012.