BRICS-Länder beschließen Handel in Nationalwährungen

Die Staats- und Regierungschef der BRICS-Länder einigen sich auf engere Zusammenarbeit © kremlin.ru
Die Staatschef der BRICS-Länder einigen sich auf engere Zusammenarbeit © kremlin.ru

NEU DELHI. Die BRICS-Länder rücken näher zusammen. Auf einem Gipfel in Neu Delhi vereinbarten die Staats- und Regierungschefs Russlands, Chinas, Indiens, Brasiliens und Südafrikas Ende März Handelserleichterungen und die Gründung einer gemeinsamen Investitionsbank.
Unterzeichnet wurden zwei Abkommen, die den US-Dollar als Leitwährung in der Welt infrage stellen. Zukünftig wollen die Staaten im bilateralen Handel ihre jeweiligen eigenen Währungen verwenden. Auch die Vergabe von Krediten soll in den Nationalwährungen durchgeführt werden. Das erleichtere die Verrechnungen zwischen den Banken und bringe die Wirtschaftsbeziehungen zwischen den BRICS-Ländern auf ein qualitativ neues Niveau, hieß es in einem gemeinsamen Statement. Im Umfeld des Gipfels war die Rede von einer Verdopplung des Handelsvolumens auf 375 Milliarden Euro, was sich für die fünf Länder bis 2015 durch diese Abkommen ergeben könnte. Profitieren dürfte davon auch die internationale Stellung der chinesischen Währung Renminbi.

Fünf Länder, eine Bank
Der Vorschlag einer gemeinsamen Investitionsbank wurde von Indien bereits im Februar vorgebracht. Sie soll Entwicklungs- und Infrastrukturprojekte in den Mitgliedsländern finanzieren, die nicht von der Weltbank oder dem Internationalen Währungsfonds (IWF) unterstützt werden. Der indische Premierminister Manmohan Singh kündigte in Neu Delhi an, dass die nationalen Finanzministerien bis zum nächsten Gipfel in einem Jahr prüfen werden, wie eine solche Institution funktionieren soll.

Thema auf dem Gipfel waren zudem der Konflikt in Syrien und der Atomstreit mit dem Iran. Die fünf Staaten sprachen sich gegen eine gewaltsame Intervention in Syrien aus. Die gemeinsame Position in der Iran-Frage unterstreicht dessen Recht auf eine friedliche Nutzung der Kernenergie. Außerdem haben sich die Länder für eine internationale Kooperation bei der Förderung von sicherer Atomenergie ausgesprochen.

Für Medwedjew ist der Gipfel in Neu Delhi einer der letzten internationalen Auftritte als russischer Präsident © kremlin.ru
Für Medwedjew ist der Gipfel in Neu Delhi einer der letzten internationalen Auftritte als russischer Präsident © kremlin.ru

Der russische Präsident Dmitrij Medwedjew zog ein positives Resümee des vierten BRICS-Gipfels. Die Vereinbarungen seien wichtige Schritte, um die Länder zu einer starken und mächtigen Organisation zu machen. Chinas Staatschef Hu Jintao sagte, neben den Wirtschaftskooperationen müssten die Länder auch das „politische Vertrauen“ untereinander weiter vertiefen.

Russland liegt zurück
Die Abkürzung BRIC wurde vor rund zehn Jahren von Goldman-Sachs-Chefvolkswirt Jim O’Neill entworfen, der darunter die Länder mit sehr dynamischen Wachstumsmärkten zusammenfasste. Das erste Gipfeltreffen zwischen Brasilien, Russland, Indien und China fand 2009 in Jekaterinburg statt. 2010 wurde auf Anregung Chinas Südafrika in die Gemeinschaft aufgenommen. Kritiker bemängeln, dass Russland heute mit BIP-Wachstumsraten um die vier Prozent hinter den anderen Ländern hinterherhinke. Immer wieder stehen auch die kulturellen, geopolitischen und demografischen Gemeinsamkeiten der Mitgliedstaaten zur Debatte.

Nach aktuellen Angaben des indischen Außenministeriums haben die BRICS-Länder einen Anteil von etwa 22 Prozent an der Weltwirtschaft. Außerdem stellen sie mit rund drei Milliarden Menschen etwa 43 Prozent der Weltbevölkerung. awa