Moskau und Kasan mit ehrgeizigen IT-Projekten

So wie hier am CEBIT-Eingang soll in Moskau bald alles automatisch laufen © Deutsche Messe Hannover
So wie hier am CEBIT-Eingang soll in Moskau bald alles automatisch laufen © Deutsche Messe Hannover

HANNOVER. Russland stellte auf der diesjährigen Computermesse CEBIT zwei ehrgeizige innovative Projekt vor: die IT-Stadt Moskau und den IT-Park Kasan. Eine Vielzahl kleiner und großer russischer Unternehmen hatte den Weg nach Hannover gefunden und präsentierte sich unter anderem am russischen Gemeinschaftsstand in Halle sechs, der vom russischen Ministerium für Bildung und Forschung mitfinanziert wurde, oder am von der Stadt Moskau organisierten Stand in Halle elf.

Die russische Hauptstadt hat sich vorgenommen, bis zum Jahr 2016 eine der drei Top-Cities der Welt in Sachen IT-gestützte Infrastruktur zu werden, erklärt Andrej Belozorow, stellvertretender Leiter des IT-Departments der Stadtregierung Moskau auf der CEBIT. Dazu gehört, dass die Bewohner ihre Anträge und Formulare in Zukunft via Internet an die Kommune übermitteln sollen, anstatt in Ämtern Schlange zu stehen. Zu den Annehmlichkeiten sollen auch elektronische Anzeigentafeln für den öffentlichen Stadtverkehr zählen, die Auskunft darüber geben, wann der nächste Trolleybus zu erwarten ist. Alle sozialen und kommunalen Dienste sollen vom Bürger elektronisch abrufbar gemacht werden. So entstehe eine neue Transparenz, sagt Belozorow, weil die Moskauer auch direkten Einblick in die Verwaltung der Budgets bekämen. Umgesetzt werden soll das Fünf-Jahresprogramm der Stadtentwicklung bis 2016 in insgesamt 14 Sphären – darunter Umwelt, Transport, Sicherheit, Bildung und Gesundheit.

Tatarstan: Vorzeigeprojekt IT-Park
Daran gearbeitet wird auch im High Technology Technopark Kasan, der im Business District der Hauptstadt der russischen Teilrepublik Tatarstan angesiedelt ist. Im Oktober 2009 fertiggestellt, beherbergt er heute nach Aussage des Parkleiters, Dinar Nasyrow, 65 Residenten auf 30.000 Quadratmetern. Mit nach Hannover gereist ist davon die Bars Group, die sich auf E-Government spezialisiert hat, also auf Computerlösung mittels derer der Bürger online seine Angelegenheiten mit Stadt und Staat klärt.
Im IT-Park Kasan wird auch der Auftrag der Regierung für eine universelle ID-Chipkarte umgesetzt, die jeder Russe einmal als Ausweisdokument erhalten soll, berichtet Nasyrow. Darauf gespeichert werden nicht nur Geburtsdatum und Wohnort, sondern auch sehr sensible Daten wie zum Beispiel der Gesundheitszustand des Karteninhabers.
Ebenfalls in Kasan ansässig ist Glonass +112, eine Firma, die eine Software herstellt, mit der man Notfalleinsätze auf Basis der Daten des russischen Navigationssystems Glonass beaufsichtigen und kontrollieren kann.

Naviagation made in Russia
Der Hersteller der Satelliten, Reshetnev Information Satellite Systems, war mit einem eigenen Stand in Hannover vertreten. Glonass wurde nicht zum ersten Mal auf der CEBIT präsentiert. Anders als zuvor ist das Navigationssystem made in Russia aber in diesem Jahr in vollem Umfang einsatzfähig. Seit der CEBIT 2011 ist es den Russen gelungen, die letzten Satelliten ins All zu befördern, die noch nötig waren, um eine vollständige Abtastung der Erdoberfläche zu gewährleisten. Nun will man dem US-amerikanischen GPS und dem europäischen Galileo auch richtig Konkurrenz machen – mit Unterstützung der russischen Regierung. In den zurückliegenden Wochen hatte es die Meldung gegeben, dass ausländische Telefonhersteller sich darauf einstellen müssen, in Russland zum Einsatz kommende Smart Phones zukünftig nur noch mit Glonass-Daten zur Navigation füttern zu dürfen.
Auf die Angaben der russischen Sputniks greift auch das IT-Großprojekt der russischen Hauptstadt zurück. awa/km