Im Tal des Titans

Modellansicht der künftigen SEZ Titanium Valley © titanium-valley.com
Modellansicht der künftigen SEZ Titanium Valley © titanium-valley.com

BERLIN. Ende Februar besuchte eine Wirtschaftsdelegation aus der Region Swerdlowsk Deutschland, darunter auch Vertreter der Sonderwirtschaftszone (SEZ) Titanium Valley. Der Informationsdienst Russland aktuell sprach mit Olga Bashenowa, Head of Investor Relations Department der SEZ, über das Potenzial des Gewerbeparks nahe der Stadt Werchnjaja Salda – 150 Kilometer nördlich der Gebietshauptstadt Jekaterinburg am Ural gelegen und Heimat des weltgrößten Titanproduzenten VSMPO-AVISMA. 

 

RA: Vor gut einem Jahr wurde im Gebiet Swerdlowsk eine Sonderwirtschaftszone gegründet. Was ist seither im sogenannten Titanium Valley geschehen?

Bashenowa: Im Dezember 2010 haben wir den Status Sonderwirtschaftszone erhalten, das ganze Projekt ist also noch verhältnismäßig jung. Wir sind derzeit dabei, das Gelände vorzubereiten und die Infrastruktur – Energie, Wasser, Gas – aufzubauen. Denn wenn Sie sich als Investor bei uns niederlassen wollen, soll Ihnen die nötige Infrastruktur schon vorher zur Verfügung stehen. Teilweise arbeiten wir aber auch parallel, denn zwei Unternehmen haben sich schon niedergelassen und bringen bereits ihre Ausrüstung in die SEZ.

RA: Welche Unternehmen sind das?

Bashenowa: Das ist zum einen die VSMPO-New Technology, ein Geschäftsbereich des Titanproduzenten VSMPO-AVISMA. VSMPO ist auch unser Hauptpartner und Namensgeber des Titanium Valley. Das Engagement ist im Endeffekt eine Art Corporate Responsibility, denn Werchnjaja Salda ist stark abhängig von den Geschäften der VSMPO. Mit der SEZ diversifizieren wir die Wirtschaftsstruktur im Gebiet und VSMPO selbst schafft sich modernere Strukturen für eine effizientere Produktion.
Außerdem lässt sich die Firma Synersis bei uns nieder, eine Tochtergesellschaft des OOO Elektromaschinostroitelnyj Sawod aus Jekaterinburg, die unter anderem energieeffiziente Elektromotoren, Hochspannungstransformatoren und Generatoren produzieren wird.

RA: Konnten Sie auch schon ausländische Investoren ins Titanium Valley locken?

Bashenowa: Wir sind im Gespräch mit 30 bis 40 ausländischen Unternehmen. Die Verhandlungen befinden sich in verschiedenen Stadien, mit einigen bereiten wir bereits Verträge vor.

RA: Haben Sie denn auch Platz für 30 bis 40 Unternehmen?

Bashenowa: Ja, allein der erste Bauabschnitt der SEZ hat eine Fläche von 295 Hektar, in einem weiteren Schritt kommen noch einmal 289 Hektar hinzu. Wenn wir davon ausgehen, dass jede Niederlassung durchschnittlich zehn Hektar benötigt, ist genug Platz für bis zu 50 Unternehmen.

Olga Bashenowa ist Ansprechpartnerin für ausländische Investoren im Titanium Valley.
Olga Bashenowa ist Ansprechpartnerin für ausländische Investoren im Titanium Valley.

RA: Für welche Branchen ist die SEZ interessant?

Bashenowa: Unsere Region ist von der Metall- und Chemieindustrie geprägt. Das ist für Firmen aus dem Bereich Luft- und Raumfahrt und Maschinenbau oder auch für Hersteller von Baumaterialien sehr interessant. Dennoch wollen wir uns auf keinen Industriebereich beschränken. Swerdlowsk ist eine der Regionen mit den größten Natur- und Mineralrohstoffressourcen in Russland und zählt zu den ältesten Bergbaugebieten des Landes. Die Unternehmen können also auf eine gute Rohstoffbasis zurückgreifen.
Gleichzeitig treffen Investoren in Swerdlowsk auch auf einen guten Absatzmarkt. In unmittelbarer Nähe, im 40 Kilometer entfernten Nishnij Tagil, sitzen Großkonzerne wie der Stahlerzeuger NTMK (Nischnetagilski Metallurgitscheski Kombinat) oder der Maschinenbauer Uralwagonsawod.

RA: Was hat das Titanium Valley Unternehmen noch zu bieten?

Bashenowa: Wir unterstützen Unternehmen, die sich niederlassen wollen, bei den notwendigen bürokratischen Prozessen. Dafür haben wir ein sogenanntes One-stop-window eingerichtet. Das heißt, die Investoren haben einen Ansprechpartner, an den sie sich mit allen Fragen und in allen Phasen ihres Engagements wenden können. Alle Dokumente – wie die Baugenehmigung, die Firmenregistrierung und so weiter – bekommen sie bei einer Stelle. Bis sie die Baugenehmigung erhalten, vergehen bei uns nur ungefähr drei bis vier Monate, während es außerhalb der SEZ in Russland normalerweise zwei Jahre dauert.

RA: Viele Unternehmen, die sich in Russlands Regionen ansiedeln, haben Schwierigkeiten, qualifizierte Arbeitskräfte zu finden. Wie begegnen Sie diesem Problem? Wie halten Sie den Nachwuchs in Swerdlowsk, den es doch zunehmend nach Moskau und St. Petersburg zieht?

Bashenowa: Ich denke, es gibt zwei Arten von Investoren: Die einen bringen nicht nur ihr Equipment, sondern auch gleich ihre Mitarbeiter mit. Für solche Fälle bauen wir – auch jetzt schon – eine soziale Infrastruktur auf: Krankenhäuser, Hotels und vieles mehr.
Andere Firmen bringen nur ihre Ausrüstung mit und brauchen Personal. Für diese bilden wir Arbeiter aus der Region nach den Bedürfnissen der Unternehmen aus. Wir sind eine Industrieregion, daher haben wir bereits viele Fachkräfte aus dem Maschinenbau und der Metallurgie. Diese Arbeiter bilden wir entsprechend den Anforderungen der neuen Unternehmen und in Zusammenarbeit mit den lokalen Bildungseinrichtungen weiter.

Das Gespräch führte Grit Horn.

Präsentation der Sonderwirtschaftszone Titanium Valley

Hintergrund:
Im Sommer 2005 trat das Föderale Gesetz über die Sonderwirtschaftszonen in Kraft. Seitdem wurden 25 Gebiete eingerichtet, innerhalb derer für in- und ausländische Unternehmen besondere Konditionen gelten. Entstanden sind sie mit dem Ziel, Russlands Wirtschaftsmodernisierung zu unterstützen. Firmen, die sich in einer SEZ niederlassen, also den Residentenstatus erhalten, erwarten Zoll- und Steuervorteile. Beispielsweise werden für eingeführte Waren keine Mehrwertsteuer und Zollgebühren berechnet. Außerdem können die Investoren von den Vermögens-, Grundstücks- und Kfz-Steuern befreit werden.
Titanium Valley ist die vierte SEZ in Russland mit Industrieschwerpunkt (Automobilindustrie, Petrochemie, Baumaterialien und Konsumgüterindustrien). Außer ihr gibt es noch die SEZ Alabuga in der Republik Tatarstan, die SEZ Togliatti im Gebiet Samara und die SEZ Lipezk im Gebiet Lipezk. Informationen über alle russischen Sonderwirtschaftszonen finden Sie unter http://eng.oao-oez.ru.