Gaslieferungen für Westeuropa eingeschränkt

Ende Januar hatte Russland noch angekündigt den Transit über Belarus zu erhöhen © Gazprom
Ende Januar hatte Russland noch angekündigt den Transit über Belarus zu erhöhen © Gazprom

MOSKAU. Auf Grund des strengen Winters in Russland und Temperaturen von bis zu minus 35 Grad kommt es derzeit zu Einschränkungen in der Anlieferung von Erdgas aus Russland. Anfang Februar hatte die Nachrichtenagentur Interfax unter Berufung auf Unternehmenskreise berichtet, dass Gazprom seine Gaslieferungen nach Europa wegen der gestiegenen Nachfrage auf dem heimischen Markt deutlich reduziert habe. Mit den Vorräten müsse zunächst der Bedarf der russischen Kunden gedeckt werden, hieß es.

Der österreichische Energieversorger OMV meldete am 2. Februar Liefereinschränkung von rund 30 Prozent an der Erdgasdrehscheibe Baumgarten in Niederösterreich. OMV und ihre Tochtergesellschaften könnten die derzeitige Liefereinschränkung jedoch durch die Inlandsproduktion und auf Grund strategischer Speichervorräte ausgleichen und die Versorgung Österreichs aufrechterhalten.

Auch die Essener RWE-Tochter Supply & Trading, die für den Gasimport zuständig ist, bekommt derzeit 30 Prozent weniger Gas als üblich. Das sagte eine RWE-Sprecherin gegenüber der Nachrichtenagentur Dow Jones. Die Versorgung der Kunden sei aber sichergestellt. Gleiches teilte der Erdgasimporteur Wingas mit, ohne allerdings die Liefereinschränkung zu beziffern.

Gazprom zeigte sich erstaunt über die Berichte von Lieferausfällen und dementierte die Meldungen. Nach eigenen Angaben liefere der Konzern seinen europäischen Kunden die vertraglich vereinbarten Gasmengen: „Um die Exporte zu gewährleisten, hat der Konzern alle vorhandenen Pipelines ausgelastet und entnimmt seinen Speichern in Europa deutlich mehr Gas.“ Die Gasversorgung entspreche aufs Jahr hochgerechnet derzeit 180 Milliarden Kubikmeter im Vergleich zu 150 Milliarden im Jahr 2011. Auch aus den Speichern seien größere Mengen als im Vorjahr geflossen: Die entnommenen Gasmengen aus europäischen Speichern hätten sich im Laufe der Woche beinahe vervierfacht.

Die Ausfälle bei Gaslieferungen wecken unangenehme Erinnerungen an das Jahr 2009, als die EU von einem Streit zwischen Russland und der Ukraine um Gaspreise in Mitleidenschaft gezogen wurde. Um eine erneute Eskalation dieses wieder schwelenden Gasstreits zu verhindern, will nun die EU zwischen Kiew und Moskau vermitteln. EU-Energiekommissar Günther Oettinger bot dem russischen Energieminister Sergej Schmatko und dessen ukrainischem Amtskollegen Juri Bojko Ende Januar offiziell an, sich in die Gasverhandlungen zwischen Russland und der Ukraine einzuschalten. Das berichtete die Nachrichtenagentur Interfax-Ukraine. Kiew soll dem Vernehmen nach bereits zugestimmt haben, Moskau hält sich dagegen noch bedeckt. „Wir stehen im ständigen Kontakt und werden in den nächsten Tagen eine Antwort bekommen“, zitiert Interfax den EU-Kommissar.

Der Verhandlungsprozess zwischen Kiew und Moskau ist zuletzt ins Stocken geraten. Gestritten wird außer um die Kontrolle des Pipelinenetzes auch um den Preis und die Abnahmemenge. gh/ch