Milliardengeschäfte zwischen Russland und China

Putin und sein Amtskollege Wen Jiabao nach den Verhandlungen in Peking © gov.ru
Putin und sein Amtskollege Wen Jiabao nach den Verhandlungen in Peking © gov.ru

PEKING/MOSKAU. Russland und China wollen stärker kooperieren. Anlässlich eines Besuchs des russischen Ministerpräsidenten Wladimir Putin in Peking erneuerten die Staaten ihre Partnerschaft. Eine 160-köpfige Wirtschaftsdelegation begleitete den Regierungschef. Es seien Geschäfte im Wert von sieben Milliarden US-Dollar abgeschlossen worden, hieß es von beiden Seiten. Chinesische Medien sprechen von 16 Handels- und Investitionsvereinbarungen, wobei keines der Länder eine konkrete Auflistung der Verträge lieferte. Bekannt wurde nur, es gehe unter anderem um Projekte in der Agrarwirtschaft, beim Berg- und Maschinenbau, der Flugzeugproduktion, der Nano- und Biotechnologie, der Informatik und der Medizin.
In den beiden wichtigsten Feldern der Zusammenarbeit, bei den Öl- und Gaslieferungen von Russland nach China, dauern die Verhandlungen an. Nach Gesprächen mit seinem Amtskollegen Wen Jiabao sagte Putin, dass man kurz vor einer Einigung stehe. Diskutiert wird vor allem um den Preis. Bei den Ölverkäufen hatte es zuletzt Streit gegeben, weil China den Preis für Lieferungen durch eine gemeinsame Pipeline um sieben Prozent reduzierte, berichtete die Nachrichtenagentur RIA Novosti. Der russische Lieferant Rosneft und Pipelinebetreiber Transneft drohten mit einer Klage vor Gericht. In Peking habe man nun eine Lösung für das Problem gefunden, bestätigen beide Seiten, allerdings müsse diese noch auf Ebene der Unternehmen in Verträge gegossen werden. Wann es soweit ist, und wie diese Lösung aussieht, blieb offen.

Schwieriger gelagert ist die Sache bei den Verhandlungen um den Rohstoff Gas. Seit Jahren sprechen beide Länder über den Bau einer Gasleitung von Russland nach China. Einig werden kann man sich allerdings nicht über die Bezahlung der Gaslieferungen. Auch der Verlauf der Pipeline ist noch ungeklärt. Als Ressourcen kommen Gasfelder in Westsibirien und im Fernen Osten infrage. Der russische Energiekonzern Gazprom bevorzugt die erste Möglichkeit und fordert Medienberichten zufolge angeblich eine Vorauszahlung von 40 Milliarden US-Dollar, bevor auch nur ein Kubikzentimeter geliefert wird. In Peking verständigte man sich nun darauf, dass in den nächsten Wochen eine „Roadmap für die Entwicklung der Gaszusammenarbeit“ erstellt wird.

Unterzeichnet wurde indes eine Absichtserklärung über einen gemeinsamen Investitionsfonds. Der eben erst gegründete Russische Fonds für Direktinvestitionen (RFPI) und die China Investment Corporation (CIC) wollen dafür zusammenarbeiten. Das neue Finanzinstrument soll drei bis vier Millionen US-Dollar schwer werden – RDIF und die CIC werden jeweils eine Milliarde US-Dollar beisteuern und gehen davon aus, dass ein bis zwei Milliarden US-Dollar von Drittinvestoren, vor allem aus China, hinzukommen. Die Vnesheconombank, Russlands staatliche Entwicklungsbank, wird als strategischer Partner des Fonds agieren. Ein Großteil des Kapitals soll in russische, kommerzielle Projekte investiert werden. Ziel ist es, durch gemeinsame Bemühungen hohe Kapitalrenditen zu erzielen.

Schon heute stehen die russisch-chinesischen Wirtschaftsbeziehungen auf einem soliden Fundament. Nach 59 Milliarden US-Dollar 2010 könnte der bilaterale Handelsumsatz in diesem Jahr den Stand von 70 Milliarden US-Dollar erreichen. China hat Deutschland als Russlands wichtigsten Handelspartner abgelöst. Russland steht in Chinas Außenhandelsliste allerdings nur auf Platz zehn. awa