Sachsen suchen neue Projekte in St. Petersburg

Tillich und Poltawtschenko wollen noch enger zusammenarbeiten © momentphoto.de/Bonss
Tillich und Poltawtschenko wollen noch enger zusammenarbeiten © momentphoto.de/Bonss

DRESDEN/ST. PETERSBURG. Die 70-köpfige Wirtschaftsdelegation unter Führung des sächsischen Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich kam von ihrem viertägigen Besuch Anfang Oktober in St. Petersburg ohne neue Verträge zurück. Eine so zufriedene Unternehmerdelegation habe er trotzdem noch nicht gesehen, sagte Tillich an der Newa. Zwar seien keine „Megaprojekte“ unterzeichnet worden. Es habe sich aber gezeigt, dass das Know-how aus Sachsen sehr gefragt sei. Sächsische Unternehmen konnten im vergangenen Jahr Waren im Wert von rund 718 Millionen Euro nach Russland verkaufen. „200 Millionen mehr als noch im Jahr 2009“, so Tillich, dessen Reise auch im Zeichen der 50-jährigen Städtepartnerschaft zwischen Dresden und St. Petersburg stand.

Vor allem gibt es in St. Petersburg Anknüpfungspunkte in der Automobilindustrie. Hyundai, Toyota, General Motors, Suzuki und Nissan haben die zweitgrößte russische Stadt inzwischen als Produktionsstandort ausgewählt. Ford ist bereits seit 2005 im Leningrader Gebiet tätig, während sich die Magna-Gruppe mit einem Zulieferbetrieb in St. Petersburg angesiedelt hat. So unterstrich der Ministerpräsident im Vorfeld seiner Reise die Bedeutung St. Petersburgs für das „Autoland Sachsen“ mit seinen Herstellern, Zulieferern, Ausrüstern und auch Forschungseinrichtungen.

Einige davon präsentierten sich am 3. Oktober auf dem Wirtschaftsforum zur Automobilindustrie, das die Wirtschaftsförderung Sachsen in St. Petersburg organisiert hatte. Es widmete sich insbesondere der ressourceneffizienten Produktionstechnik, der modernen Ausstattung von russischen Automobilwerken und Zuliefererbetrieben sowie dem Ausbau von Forschungskooperationen. Tillich und der neu eingesetzte Gouverneur von St. Petersburg, Georgij Poltawtschenko, eröffneten es gemeinsam.

Im Anschluss besichtigte Tillich das Werk des US-amerikanischen Autoherstellers General Motors. Die auch in Sachsen ansässige Schnellecke Group ist als international agierender Logistikdienstleister und Zulieferer der Automobilindustrie bereits seit 2009 für General Motors in St. Petersburg tätig. Sie beliefert die Linie zur Montage der Vorder- und Hinterachsen.

Im Bereich Mikrosystemtechnik kamen am 4. und 5. Oktober zwölf Vertreter von Unternehmen und Forschungseinrichtungen des Branchenverbands „Silicon Saxony“ mit rund 30 russischen Partnern ins Gespräch. Anknüpfend an das Wirtschaftsforum Dresden-St. Petersburg, das im Juni an der Elbe stattgefunden hatte, ging es nun darum, technisches Wissen über Fertigungstechnologien und Vermarktung zu vermitteln. Zudem zeigten sich einige Firmen sehr interessiert am Ausbau der Zusammenarbeit zwischen „Silicon Saxony“ und dem mit sächsischer Unterstützung initiierten Mikroelektronik-Netzwerk „mems-Russia“.

Außerdem tauschten sich Vertreter von Dresdner Unternehmen aus dem Bereich Verkehrsplanung und der Dresdner Verkehrsbetriebe mit Infrastrukturexperten der Petersburger Verwaltung und russischen Unternehmern zu Fragen der Verkehrsinfrastruktur und Verkehrsplanung aus.

Das im Vorfeld der Reise groß angekündigte Doppeldiplom-Abkommen zwischen der TU Bergakademie Freiberg und der Bergbau-Universität St. Petersburg konnte jedoch nicht unterzeichnet werden. Dem Freiberger Professor Carsten Drebenstedt blieb die Einreise nach Russland verwehrt, weil sein Visum nicht rechtzeitig fertig geworden war. Die Vertragsbesiegelung soll schnellstmöglich nachgeholt werden. Russische und deutsche Studenten werden dann nach einem Bergbaustudium in St. Petersburg und Freiberg Abschlüsse beider Universitäten erhalten. awa/smwa