Pawlodar: Industriezentrum im Norden

Pawlodar im Nordosten ist rohstoffreiches Industriezentrum © OWC
Pawlodar im Nordosten ist rohstoffreiches Industriezentrum © OWC

Landschaftlich ist die Region Pawlodar, an der Grenze zu Westsibirien gelegen, durch karge Steppe charakterisiert. Unter der Ödnis lagern jedoch die größten Rohstoffvorkommen der Welt. Sie bilden die Grundlage für eine ausgeprägte Großindustrie. Bei der Modernisierung und Entwicklung der teilweise veralteten Industriekomplexe bieten sich Chancen für deutsche Unternehmen.

Die Region Pawlodar im Nordosten Kasachstans ist vor allem durch die Industriestädte Ekibastus und Aksu sowie durch die Stadt Pawlodar selbst geprägt. Knapp eine halbe Million Einwohner leben in dem Verwaltungs- und Wirtschaftszentrum auf einer Fläche von 124.800 Quadratkilometern. Der Rohstoffreichtum (Kohle, Gold, Silber, Kupfer, Blei, Zink) ist Basis für die Wirtschaftsstruktur der Region. Große Metallurgie- und Maschinenbau-Unternehmen prägen die Wirtschaft. Außerdem befindet sich in Pawlodar eine der drei Erdöl-Raffinerien Kasachstans. Die Kohleförderung in Pawlodar macht 70 Prozent der gesamten Kohleproduktion in Kasachstan aus. In Ekibastus hat das kasachische Kohlebergbauunternehmen Bogatyr Komir seinen Hauptsitz. Die Stadt wurde neben einem der größten Steinkohlevorkommen der Welt errichtet. Außer Kohle werden auch 9,4 Prozent des kasachischen Goldes und 3,7 Prozent des kasachischen Kupfers in der Region gefördert. Die Transportinfrastruktur ist gut entwickelt, zumal Pawlodar geostrategisch gut an Russland (Omsk, Nowosibirsk) angebunden ist.

20 Prozent Wachstum bis 2015
Die Verwaltung der Region hat sich für die kommenden Jahre hohe Ziele gesteckt. Anfang Januar präsentierte die Leiterin des Wirtschaftsreferates Galina Dawdrikowa das „Programm zur Entwicklung der Region Pawlodar für 2011 bis 2015“. Die wichtigste Aufgabe sei die Entwicklung einer effizienten und wettbewerbsfähigen Wirtschaft. Das Bruttoinlandsprodukt soll innerhalb von fünf Jahren um 32 Prozent wachsen und die Arbeitsproduktivität in der verarbeitenden Industrie um das 1,6-Fache steigen, von 8,1 Millionen Tenge (rund 40.500 Euro) je Arbeitnehmer auf 13,6 Millionen Tenge (etwa 67.000 Euro). Den wichtigsten Beitrag zum Wirtschaftswachstum in der Region trägt mit sechs bis sieben Prozent pro Jahr die industrielle Produktion bei. Vor allem durch die chemische, die pharmazeutische, die petrochemische und die Metallindustrie rechnet Dawdrikowa mit 20 Prozent Wachstum bis zum Jahr 2015.

Die Hauptstadt trägt den Namen der Region: Pawlodar © akimat-pvl.gov.kz
Die Hauptstadt trägt den Namen der Region: Pawlodar © akimat-pvl.gov.kz

Chemiepark nach deutschem Vorbild
Die Chemieindustrie zählt in Pawlodar zu den traditionellen Branchen, doch auch hier plant die regionale Verwaltung, effizienter zu werden. Aus diesem Anlass besuchte der Akim von Pawlodar, Bachytschan Sagintajew, im November vergangenen Jahres den Chempark Leverkusen. Der Chempark, drei ehemalige Werke der Bayer AG, ist mit seinen Standorten in Leverkusen, Dormagen und Krefeld-Uerdingen der größte Chemiepark in Deutschland. Mit über 70 Unternehmen und Dienstleistern auf einer Fläche von zirka elf Quadratkilometern findet dort rund ein Drittel der gesamten Chemieproduktion in Nordrhein-Westfalen statt.

Sagintajew traf bei seinem Besuch mit Klaus Schäfer, dem Vorstandsvorsitzenden der Chempark-Betreibergesellschaft Currenta zusammen, um mögliche bilaterale Kooperationen zu besprechen. Ziel des Akim ist es, in Pawlodar eine Chemieindustriezone wie in Leverkusen zu schaffen. Schäfer und Sagintajew einigten sich auf einen Besuch deutscher Fachleute und Experten in Pawlodar, damit diese prüfen, ob sich die Anlagen des dort ansässigen Chemieproduzenten AO Kaustik eignen, um sie zu einem Industriegebiet von internationalem Standard zu erweitern. AO Kaustik selbst investiert derzeit bereits gemeinsam mit der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) in eine neue Chlor-Alkali-Fabrik. Insgesamt werden dafür 108 Millionen US-Dollar aufgebracht, 25 Millionen US-Dollar davon kamen von der EBRD.

Bahntechnik-Zentrum Kasachstans
Askar Mamin, der Chef der kasachischen Eisenbahngesellschaft „Kasachstan Temir Scholy“ (KTZ), plant, die Region zum Bahntechnik-Zentrum des Landes zu machen. Das „strategische Entwicklungsprogramm“ des Unternehmens sieht unter anderem die Erneuerung des Waggon- und Lokomotivbestandes vor. Bis zum Jahr 2020 sollen insgesamt rund 26,5 Milliarden Euro in die Modernisierung der Schieneninfrastruktur und des Fuhrparks investiert werden. 38,5 Millionen Euro will KTZ in Pawlodar für die Produktion von Güterwaggons unter Verwendung moderner Technologien investieren. Das neue Werk soll eine Kapazität von 2.000 Güterwaggons pro Jahr haben. Um den Bedarf des Schienenverkehrs im Land zu decken, müssten jedoch 5.000 Güterwaggons pro Jahr produziert werden, so Mamin.

Aufgrund des wachsenden Bedarfs an Bahntechnik in Kasachstan planen das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie und der Verband der Bahnindustrie in Deutschland e.V. im März 2011 eine Delegationsreise für Unternehmen der Verkehrs- und Bahntechnik nach Kasachstan. Die Zuwächse im Passagiertransport sowie im Frachtbereich schaffen im Bereich des Transportwesens für deutsche Unternehmen eine Vielzahl von Absatz und Kooperationsmöglichkeiten.

Kontakt:

Ministerium für Industrie und neue
Technologien der Republik Kasachstan

Dr. Albert Rau, Erster Vizeminister
Tel.: +7 7172 299095
rau@mit.kz
Samruk Kazyna
Kairat M. Aitekenov, Managing Director
Tel.: +7 7172 979478
Kairat.Aitekenov@gmail.com
www.samruk-kazyna.kz